Matthias Kohlmann räumt und streut die Fahrbahnen, damit andere sicher fahren

Frost-Held in Orange

Mit Schippe ausgerüstet: Matthias Kohlmann sitzt im Fahrerhäuschen des Lastwagens, mit dem er die Straßen von Schnee und Eis befreit. Foto: Backovic

Bad Hersfeld. Straßenwärter Matthias Kohlmann sitzt am vibrierenden Lenkrad des Schneeräumfahrzeugs. Um ihn herum rappelt und klappert es beständig. „Jetzt mache ich die Schneeschleuder an“, ruft er und kämpft mit seiner Stimme gegen die röhrenden Geräusche des Motors an. Zwei Sekunden später spritzen die weißen Massen in einer dicken, peitschenden Fontaine am Beifahrerfenster des 23 Tonnen schweren Kolosses vorbei. Einsätze in der idyllisch wirkenden Winterlandschaft gehören zu Matthias Kohlmanns Arbeitstag. Ein harter, ungemütlicher Alltag.

Wenn er Frühdienst hat, dann verlässt er um 2 Uhr sein Bett, um pünktlich um 3 Uhr an seinem Arbeitsplatz zu sein: der Bad Hersfelder Straßenmeisterei. Dort gehört er zu 23 Mitarbeitern, die für den Winterdienst auf den Landstraßen zuständig sind. Gearbeitet wird rund um die Uhr in wechselnden Schichten.

Zu Matthias Kohlmanns eisigem Revier gehören Philippsthal, Schenklengsfeld, Friedewald und Hohenroda. Wenn er seine Kolonnenbezirke geräumt und gestreut hat, kommt es oft vor, dass er danach noch mit der Motorsäge zur Gehölzpflege geschickt wird. Büsche und Bäume stutzt er dann, damit die Sicherheit auf den Straßen gewährleistet ist.

„Wenn man den ganzen Tag in der Kälte ist, dann geht das ganz schön auf die Knochen. Jetzt nach dem Winterdienst mit der Motorsäge zu arbeiten, ist ziemlich anstrengend“, sagt er in ruhigem Ton. Dabei fährt er sich mit der Rechten durchs blonde Haar und setzt einen ernsten Blick auf. Seine Mine ändert sich aber sofort, als er vom orangefarbenen Brummi erzählt. Mit einem breitem Grinsen gesteht er: „Das Fahren macht mir richtig Spaß.“

Halbes Leben am Arbeiten

Wer Matthias sieht, könnte denken, dass er vom Berufsleben noch nicht viel Ahnung hat. Obwohl er erst 30 Jahre alt ist – und deutlich jünger aussieht – hat Kohlmann sein halbes Leben in Straßenmeistereien verbracht. 1995 begann er nach dem Hauptschulabschluss seine Ausbildung zum Straßenwärter in Hünfeld. Nach drei Jahren Lehre kam der junge Mann, der in Fulda geboren wurde, zur Straßenmeisterei Bad Hersfeld und ist ihr bis heute treu. Seine Berufswahl ist quasi genetisch bedingt. „Mein Papa hat diesen Job gemacht, und mein älterer Bruder macht ihn auch“, sagt Matthias schmunzelnd. Seinem Vater hat er als Kind oft über die Schulter geguckt. „Das hat mich eben neugierig gemacht“, erklärt er.

Beständig ist er auch, wenn es um Frauen geht: Seit zehn Jahren ist er mit seiner Freundin zusammen. Mit seiner großen Liebe war er schon mehrmals auf Reisen. Weit öffnet er seine hellblauen Augen, blickt beinahe verträumt in die verschneite Ferne und sagt: „Ich bin fasziniert von den USA und Hawaii. Die Landschaft und die Naturparks sind einfach toll.“ Dreimal sind sie schon nach Amerika geflogen. „Besonders beeindruckend fand ich New York.“

Feierabend in Sicht

Der nächste Urlaub ist zwar noch nicht in Sicht, aber ab 11 Uhr hat Matthias zumindest Feierabend. Vorläufig. Denn er hat heute Rufbereitschaft von 0 Uhr bis 0 Uhr. „Wenn mich heute Abend die Polizei anruft, dann muss ich raus“, erklärt er. „So schlimm ist es aber gar nicht. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran“, beteuert er. Nun heißt es aber abschalten: Um sich den recht kurzen Feierabend zu versüßen, fährt er mit seiner Freundin für ein paar Stunden zum Skifahren auf die Wasserkuppe. Offenbar bekommt Matthias Kohlmann vom Schnee nicht genug. Drei Fragen

Von Dorothea Backovic

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