250 Dinge (87): Der Tanzplatz auf dem Tageberg

Frohsinn im Wald

Hier wurden die Feuerwehrfeste gefeiert: Der Tanzplatz auf dem Tageberg war früher ein beliebtes Ausflugsziel. 2012 wurde die Veranstaltung in die Feuerwache verlegt. Foto: Hans-Heinrich Jäger

bad hersfeld. Endlich sprießt mit voller Macht das erste zarte Grün. Die Sonne lädt ein und so mache ich mich auf den Weg durch die „Alpen“, an der „Kleinshöhe“ und der „Kohlrabi-Bar“ der Kleingärtner vorbei, Richtung Tanzplatz.

Viele schöne Stunden habe ich dort bei der Feuerwehr verbracht, die da oben im Stadtwald seit über 150 Jahren ihr Feuerwehrfest feiert. Mit der Feuerwehrkapelle voraus ging es mit kerniger Musik durch die Stadt bis zum Alpeneingang. Doch wie hat sich das Feuerwehrfest in den Jahren verändert! Die Auflagen der Behörden wurden größer – auch die Besucher erwarteten stets etwas Neues: Die Getränke kommen gekühlt in einem LKW an, der Kaffeestand wird professionell aufgebaut. Es gibt Steaks und Pommes, neben Bier und Cola werden Sekt, Bier-Mixgetränke oder Wein angeboten.

Was das Fest wesentlich verteuert, sind die – meiner Meinung nach horrenden – GEMA-Gebühren. Vor 50 Jahren genügte ein Wännchen mit Wasser, um die vielen Biergläser zu spülen; die Tannennadeln störten wenig. Sollte es jemandem schlecht geworden sein, dann lag es bestimmt nicht an den gespülten Gläsern. Die Getränke, wie das „Engelhardt“ (noch in Holzfässern), die Chabesade oder Waldmeistersprudel für die Kinder, wurden mit nassen Säcken abgedeckt und so kühl gehalten.

Sanitäranlagen? Da wurden im Wald einige Meter Jute zwischen den Bäumen gespannt und das musste reichen. An fließendes Wasser oder elektrische Versorgung war nicht zu denken – wenn es dämmerte, ging es Richtung Heimat.

In den 60er-Jahren hatte die Freiwillige Feuerwehr ein Zelt beschafft, um den Besuchern bei Regenwetter Schutz zu bieten, das sogar Schneelast ausgehalten hätte. Der Auf- und Abbau war jedes Mal eine Tortur: Die Konstruktion war aus massivem Holz mit schweren Metallbeschlägen. In den 90ern erwarben die vier Züge nach und nach eine Aluminium-Ausführung – das war dann im Vergleich zu vorher ein Kinderspiel.

Höhepunkt für die Familien mit ihren Kindern war die Tombola. Schon Wochen vor dem Fest waren die Feuerwehrkameraden in der Stadt unterwegs, um die Einzelhändler und Handwerker der Stadt um ihre Unterstützung mit Sachpreisen zu bitten. Mit den Erlösen leisteten sich die Kameraden nach den regelmäßig, meist wöchentlich, stattfindenden Übungsabenden dann ab und zu mal einen „Musteweck“ oder ein Bratwürstchen und ein „Engelhardt“. Mit dem „Gewinn“ musste vier Jahre gut hausgehalten werden, denn jedes Jahr war ein anderer der vier Züge der Feuerwehr mit der Ausrichtung dran.

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