Minimales Bühnenbild, aber großartige Schauspielleistung in der Stadthalle

„Froh zu sein bedarf es wenig“

Schlichtes Bühnenbild: Die Berliner Shakespeare Company sticht durch ihre schauspielerische Leistung hervor. Foto: Laura Horst

Bad Hersfeld. Mit einer sehr modernen Inszenierung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ überzeugte die Berliner Shakespeare Company am Donnerstagabend in der Hersfelder Stadthalle.

Die Liebesgeschichte um die kratzbürstige Katharina und den Edelmann Petruchio aus Verona erzählen die Berliner Schauspieler in zeitgenössischer Form nach. So sitzen Signora Battista und ihre beiden Töchter nach einer Shoppingtour im ICE, als sie auf den jungen Lucentio treffen. Besonders die sprachliche Gestaltung voller Wortwitz und dem Kontrast zwischen Jugendsprache und Originaltext nach Shakespeare, verleiht dem Stück seinen eigenen Charakter.

Im Zentrum der Darstellung steht das beliebte Thema Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Katharina, die als „Emanze“ von Padua gilt, hat diesbezüglich klare Ansichten: „Eine Frau hält man nur zum Narren, wenn ihr der Mut zum Widerstand fehlt.“ Ihr rebellisches Gemüt bekommt der hartnäckig werbende Petruchio in vollem Ausmaß zu spüren. „Froh zu sein bedarf es wenig“ tönte es von der Bühne. Viel brauchten die Darsteller auch nicht, um das Publikum zu unterhalten. Als Utensilien dienten lediglich drei Stellwände und ein paar einfache Stühle.

Die Bad Hersfelder Zuschauer beeindrucken konnte die Schauspielgruppe viel mehr mit ihrer ausdrucksstarken Mimik und Gestik. Eine Geräuschkulisse aus kräftigen Stimmen und den Klängen des Kontrabass ergänzten die Pantomine der Berliner.

Auf die etwas eigene Interpretation des Stückes musste sich das Publikum erst einstimmen. Wer mit einer klassischen Theateraufführung gerechnet hatte, wurde an diesem Abend vermutlich enttäuscht. Während einige Zuschauer die schauspielerische Leistung der Shakespeare Company lobten, empfanden andere das Stück zunächst als etwas zu modern und gewöhnungsbedürftig. Gegen Ende des Stückes lockerte sich die Stimmung jedoch auf, und es wurde herzhaft gelacht.

Spaß gemacht hat die Aufführung auch den Schauspielern. Sie waren erfreut, dass ihr Publikum doch noch „so sehr dabei war“, bevor sie die Aufführung mit einer nicht ganz jugendfreien Abwandlung von Mozarts „Bona nox“ beendete.

Von Laura Horst

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