Wochenendporträt: Der Hersfelder Dekan Ulrich Brill geht in den Ruhestand

Fröhlich und auch traurig

„Wir haben hier in diesem wunderschönen Dekanat so gerne gewohnt“, sagt Dekan Ulrich Brill, der jetzt in Ruhestand geht. Foto: zac

Bad Hersfeld. Die frohe Botschaft weitersagen – das ist für Ulrich Brill immer ein Schwerpunkt seiner Arbeit gewesen. Nach 23 Jahren als Dekan des Kirchenkreises Hersfeld geht der 62-Jährige nun in den Ruhestand. Am 23. Juni wird er verabschiedet.

Ulrich Brill erinnert sich noch gut an eine seiner ersten Amtshandlungen in Bad Hersfeld. Er war auf den Kirchturm geklettert und entdeckte oben im Türmerstübchen ein Antependium mit den Worten „Gott loben, das ist unser Amt“, das die Posaunenbläser dort angebracht hatten. „Da kannst du dich in eine großartige Hersfelder Tradition einreihen“, habe er sich damals gedacht, erzählt Brill.

Der Verkündigungsdienst war immer ein Schwerpunkt seiner Arbeit – bei ungezählten Gottesdiensten, Festen, Einführungen neuer Pfarrer und Abschieden, aber auch bei vielen traurigen Anlässen.

Lebensfreude durch Musik

Untrennbar gehört für ihn zur Verkündigung des Wortes auch die Musik mit dazu. „Das gemeinsame Singen und Musizieren ist eine Sprache, die jeder versteht. „Sie verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft und lässt sie Lebensfreude erfahren.“ Deshalb ist es für ihn eine besondere Freude, dass der Gottesdienst zu seiner Verabschiedung einen kirchenmusikalischen Schwerpunkt hat und Menschen aus dem ganzen Kirchenkreis daran mitwirken werden.

Gemeinsamkeit vor Trennendes stellen, das galt für Ulrich Brill auch immer beim Blick auf die Ökumene. Er hat in den 90er-Jahren die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen mitgegründet und denkt mit Freude an die vielen Gottesdienste, die evangelische, katholische und freikirchliche Christen gemeinsam gefeiert haben, zum Beispiel auch den Buß- und Bettag, einen protestantischen Feiertag, oder Fronleichnam, das katholische Hochfest.

„Als evangelischer Christ war es mir immer besonders wichtig, dass wir an unseren gemeinsamen Wurzeln dran bleiben“, sagt Ulrich Brill und weist auf die benediktinische Tradition in Bad Hersfeld hin. Die Regel „Ora et labora“, beten und arbeiten, sieht er besonders in der diakonischen Arbeit verwirklicht. Und die war ihm schon immer ein besonderes Anliegen. Bevor er als Dekan nach Bad Hersfeld kam, war er Diakoniepfarrer in Witzenhausen. „Kirche muss soziale und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“, davon ist Ulrich Brill überzeugt. Und er freut sich, dass sich dafür immer mehr Menschen ehrenamtlich engagieren.

„Die Ehrenamtlichen sind der Schatz, über den wir verfügen“, sagt Brill. Das mache ihm Hoffnung in Zeiten, in denen Kirche mit massiven Strukturveränderungen und schmerzhaften Kürzungen konfrontiert sei. „Not macht erfinderisch“, hat Brill festgestellt. Die Menschen entwickelten neue Ideen und hätten gute Vorschläge.

Und so hat Brill das Gefühl, trotz aller Wehmut fröhlich und gelassen gehen zu können.

Ulrich Brill und seine Frau Symone werden aber nicht nur das Dekanat, das anschließend für den Nachfolger renoviert wird, verlassen, sondern auch aus Bad Hersfeld weggehen. „Das fällt uns nicht leicht“, sagt Brill. „Wir haben hier so gerne gewohnt in dieser Stadt und diesem wunderschönen Dekanat.“ Das altehrwürdige Gebäude wird übrigens im kommenden Jahr 300 Jahre alt. „Und ich habe 7,5 Prozent der Zeit seines Bestehens darin verbracht“, hat Brill nicht ohne Stolz ausgerechnet. Nächste Station auf dem Weg der Brills ist Hemmingen-Arnum, ein Vorort von Hannover. Dort ist Symone Brill aufgewachsen, dort haben die Brills viele Freunde und Kontakte. Leben werden sie im Elternhaus von Symone Brill.

Konkrete Pläne, wie er seinen Ruhestand gestalten will, hat Ulrich Brill noch nicht. Er will sich nach dem Umzug erst einmal die Zeit nehmen, im neuen Lebensabschnitt anzukommen und dann neue Aufgaben suchen. „Ich behalte die Rechte des geistlichen Amtes und in Arnum wissen sie auch schon, dass da ein Pfarrer im Ruhestand kommt“, weiß Brill, dass der Kontakt zur Kirche sicher nicht abreißen wird. Kirchenhistorisch interessiert Außerdem freut er sich, endlich genug Zeit für seine kirchenhistorischen Interessen zu haben. „Da will ich noch was erarbeiten mit Blick aufs Reformationsjubiläum“, kündigt er an, ohne sein Arbeitsfeld zu verraten. Vor allem aber wollen Symone und Ulrich Brill ihre neue Aufgabe als Großeltern genießen. Im Januar ist der erste Enkel auf die Welt gekommen und mit dem wollen sie mehr Zeit verbringen. Und natürlich soll auch der Kontakt nach Bad Hersfeld bestehen bleiben, das haben sich die Brills fest vorgenommen. Auch die Zeitung wollen sie weiter lesen – als E-Paper. Wer Nachfolger von Ulrich Brill als Hersfelder Dekan wird, das soll in den kommenden Monaten geklärt werden. Nach einem Gespräch mit dem Findungsausschuss, wird Bischof Hein geeignete Kandidaten vorschlagen. Spätestens zum Februar 2014 soll die Stelle nach Auskunft Brills neu besetzt werden. (zac)

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