Frischer Wind muss her

Kai A.

Helau und Alaaf, liebe Narren! Eigentlich wollte ich heute meine Büttenrede vom vergangenen Jahr noch mal drucken. Was der Baron aus Bayern kann, das kann ich schon lange. Und überhaupt – kann man sich eigentlich selbst plagiieren? Aber im Ernst: Ein wenig verwundert war ich schon, wie lax es auch viele unserer Leser genommen haben, dass ein Minister einfach abgeschrieben hat. Sie hatten viel Verständnis für Ideenklau.

Dabei musste ich daran denken, wie mich eine junge Lehrerin von der Geistalschule mal in den Unterricht eingeladen hatte, um über Plagiate zu referieren, weil ihre Schüler gnadenlos bei Wikipedia geklaut hatten. Für uns Journalisten ist der Raub geistigen Eigentums kein Kavaliersdelikt. Und auch meine Kinder, die fürs Abschreiben in der Schule streng bestraft werden, hatten wenig Verständnis für zu Guttenberg.

Also beschränke ich mich darauf, Sie noch einmal mit dem schönen Foto mit der „Narrenkappe des Journalisten“ am Rosenmontag zu erfreuen. Außerdem: Wer braucht schon Büttenreden, wenn doch Kommunalwahlkampf ist? In der Bad Hersfelder City-Galerie sind am Sonnabend auf Einladung unserer Zeitung Kandidaten für den Kreistag und die Kreisstadt in die Bütt gestiegen, um ihre Ziele und Visionen darzulegen. Das war gar nicht närrisch – aber unterhaltsam. Nur drei Minuten hatten sie Zeit für ihre Reden – aber das ist immerhin doppelt so lange, wie die meisten Beiträge in der Tagesschau.

Gewiss, in weiten Teilen waren sich alle einig: Bildung, Arbeit und gute Zusammenarbeit zum Wohle des Bürgers, das wollen sie alle. Dennoch lohnt es sich, genau hinzuhören, denn die Unterschiede sind klein, aber fein.

Was mir besonders gefällt, ist, dass sich in vielen Parteien sehr junge Leute engagieren. Denn die haben durchaus etwas zu sagen. Ich wünsche mir, dass möglichst viele von ihnen in die Parlamente einziehen und dort auch ernst genommen werden. Unsere Politik braucht frischen Wind. Fangen wir doch hier an, mal durchzulüften!

Stinken tun vielen Menschen im Kreis die Pläne, in Bebra eine große Biogasanlage zu bauen. Natürlich müffeln die Dinger eigentlich nicht, wenn sie korrekt betrieben werden. Aber die Angst vor möglichen Monokulturen und anderen Begleiterscheinungen ist sicher nicht ganz unberechtigt. Der Widerstand wächst. Am morgigen Dienstag findet deshalb ab 19 Uhr im Hotel Röse in Bebra eine Podiumsdiskussion zum Thema Biogasanlage statt. Hingehen lohnt sich.

Denn informiert zu sein, lohnt sich – immer. Niemand lässt sich gern zum Narren halten – außer vielleicht mal am Rosenmontag!

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