Montagsinterview mit Expertin Irmtraud Weidenbach zur Festtagsvöllerei

Frisch ist besser als frittiert

Naschen ist in der Weihnachtszeit erlaubt, nur übertreiben sollte man es nicht: Irmtraud Weidenbach, Leiterin der Diätschule am Lehrinstitut des Klinikums. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Kekse, Lebkuchen, Braten: In der Weihnachtszeit lauern überall leider oft ungesunde Leckereien. Diese machen sich nicht nur auf der Waage bemerkbar, sie schlagen vielen auch auf den Magen. Wir sprachen mit Irmtraud Weidenbach, Leiterin der Diätschule am Lehrinstitut des Klinikums Bad Hersfeld, über die Festtagsvöllerei.

In der Weihnachtszeit wird häufig besonders viel und ungesund gegessen. Welche gesundheitlichen Probleme treten typischerweise auf?

Irmtraud Weidenbach: Nach Weihnachten und Silvester leiden viele Menschen unter Magenbeschwerden, dazu kommen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder Gicht. Wegen der erhöhten Nahrungsaufnahme wird vermehrt Harnsäure produziert, das kann zu Gicht führen. Der Genuss von Alkohol reizt die Bauchspeicheldrüse, die darauf empfindlich reagiert. Auch Probleme mit der Galle treten häufig auf. Und nicht zu vergessen: das schlechte Gewissen.

Wie kann man Bauchschmerzen und Co. vermeiden?

Weidenbach: Entscheidend ist immer die Menge, die man isst, und die Kombination der Speisen. Esse ich eine große Portion Rotkraut und mehrere Klöße zum Braten oder doch lieber einen Salat dazu? Esse ich fünf Kekse oder gleich die ganze Tüte? Ein ausgedehnter Spaziergang nach dem Essen kann ebenfalls guttun.

Wo lauern typische Fett- und Zuckerfallen?

Weidenbach: Gebäck enthält immer viel Fett und Zucker. Auch Soßen und Pasteten sind ziemlich gehaltvoll.

Müssen wir denn komplett auf Plätzchen und Braten verzichten?

Weidenbach: Nein, es kommt immer auf die Menge an. Und natürlich kann ich, wenn ich selbst koche, bei einer Soße zum Beispiel möglichst wenig Sahne verwenden – oder mittags nur einen frischen Salat, Obst oder eine leichte Suppe essen, wenn es abends Braten gibt. Wenn ich essen gehe, kann ich Klöße statt Pommes oder Kroketten bestellen. Und natürlich muss der Teller nicht immer leer gegessen werden. Man sollte aufhören, wenn man satt ist. Ich sage zu meinen Schülern immer: Stärker als zwischen Weihnachten und Neujahr, nehmen wir zwischen Neujahr und Weihnachten zu. Also das ganz Jahr über.

Hilft eigentlich ein Schnaps vor oder nach dem Essen wirklich bei der Verdauung?

Weidenbach: Wenn schon ein Verdauungsschnaps, dann nach dem Essen. Alkohol hilft bei der Verdauung von Fett und regt die Gallenausschüttung an.

Vielen hilft ein kleiner Schnaps nach dem Essen; vor dem Essen hilft Alkohol nicht bei der Verdauung, er hebt höchstens die Stimmung.

Woran liegt es, dass in der Weihnachtszeit so viel und ungesund gegessen wird?

Weidenbach: Wir haben mehr Zeit zum Essen und besuchen einander, und dann gehört ein gemeinsames Essen einfach dazu. Außerdem ist das Angebot einfach größer als sonst. Überall stehen Kekse oder Schokoladennikoläuse, die gegessen werden „müssen“. Außerdem wird häufig einfach zu viel eingekauft und zu viel aufgetischt.

Was kommt denn bei Ihnen zu Weihnachten auf den Tisch?

Weidenbach: Ich mache Käsefondue und dazu frischen Salat. Das braucht wenig Vorbereitung und kann gut abgeschätzt werden. Auch selbst gemachte Lasagne essen wir gerne.

Wenn es doch zu viel war – was kann ich meinem Körper Gutes tun?

Weidenbach: Bei Magenschmerzen und Völlegefühl hilft eine Wärmflasche, viel Wasser oder Tee trinken, nichts essen, kürzer treten oder eben spazieren gehen. Bei starken Schmerzen sollte man aber zum Arzt gehen, um eine ernsthafte Erkrankung auszuschließen.

Von Nadine Maaz

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