Förderverein der Diakonie liefert Essen auf Rädern – kurzfristige Lösungen möglich

Frikassee von der „Taube“

Helmut Etz und Bettina Horst liefern das Essen aus. Foto: Broy

Bad Hersfeld. Marie Leckel sitzt im Schatten vor ihrer Haustür und strahlt, als Bettina Horst und Helmut Etz mit einer Styroporschachtel in den Händen die Treppe zu ihr heraufsteigen. „Heute gibt es wie gewünscht Hühnerfrikassee mit Reis und Joghurt“, erklärt Horst, während ihr Kollege in der Küche schonmal den Stuhl für die rüstige 94-Jährige zurechtrückt.

Leckel ist eine von elf Kundinnen, die heute auf der Neuensteiner-Route des Fördervereins „Die Taube“ mit einem warmen Mittagessen versorgt werden. Insgesamt liefern acht Fahrer im Einzugsgebiet Ludwigsau, Neuenstein, Hauneck und Bad Hersfeld zwischen 60 und 65 warme Mahlzeiten täglich (auch an Feiertagen) aus. Hinzu kommen 25 Kunden, die sich einmal pro Woche kalte Essensrationen bringen lassen, um diese selbst aufzuwärmen.

Essen gliedert den Tag

Auch die nächste Kundin wartet schon draußen auf Horst und Etz. „Den Joghurt teile ich mir auf, im Moment habe ich durch die neuen Medikamente so wenig Appetit“, erzählt sie. Die Mitarbeiter hören geduldig zu und wünschen „Gute Besserung“, ehe sie zum Auto eilen. „Natürlich baut sich auch eine Beziehung zu den Kunden auf“, sagt Bettina Horst. „Man sorgt sich ja um die Menschen.“

Mit geübten Handgriffen befüllt sie die Wärmebox ein weiteres Mal, der Zeitplan soll trotz der Gespräche beim Ausliefern eingehalten werden. Denn das Mittagessen hat für viele der Taube-Kunden auch eine soziale Funktion: Es gliedert den Tag. Die meisten sind über 70 Jahre alt und leben noch in der eigenen Wohnung. Das beschwerliche Einkaufen und das tägliche Kochen entfällt durch das Diakonie-Angebot für sie.

Ein Bad Hersfelder ist schon seit dem Jahr 2004 dabei, als der Förderverein gegründet wurde: „Vorher hat meine Frau gekocht. Seit sie nach über sechzig Jahren Ehe leider gestorben ist, bekomme ich das Essen von der Taube“, erzählt er mit zittriger Stimme. „Aber die Fahrer kümmern sich gut um mich, ich kann nicht klagen.“

Drei Menüvorschläge

Alle Mahlzeiten stammen von der Firma Apetito, die sich auf Verpflegung für Großeinrichtungen wie Schulen spezialisiert hat. Die Kunden bekommen im Voraus einen Plan mit drei Menüvorschlägen, unter denen sie auswählen. Apetito liefert das Essen dann in abgepackten Einzelportionen zum Fertiggaren in die Küche der Taube. Auch pürierte Menüs oder natriumarme Kost sind im Programm.

Auf ihrer Tour nehmen Etz und Horst diesmal einen Umweg. Ein Kunde möchte sein Essen früher haben, um einen Arzttermin einzuhalten. „Das machen wir natürlich. Wir setzen ja auch aus, wenn jemand ins Krankenhaus muss, oder nur zweimal die Woche beliefert werden möchte“, sagt Etz.

Verein als Urlaubslösung

Die Taube springt auch kurzfristig ein: „Meine Mutter ist Diabetikerin und wurde von mir mitversorgt“, erzählt Erni Kühn aus Obergeis. „Als ich in Urlaub gefahren bin, hat sie ihr Essen bei der Taube bestellt. Das hat ihr gut geschmeckt und wurde beibehalten.“

Nach zwei Stunden sind unzählige Treppenstufen erklommen und die Tour beendet. „Mir macht der Job noch so viel Spaß, wie am ersten Tag“, sagt Horst. Ihr Kollege wischt sich den Schweiß vonder Stirn und nickt zustimmend.

Von Sonja Broy

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