Friedenspreis für Wedel

HZ Talk exklusiv: Festspielintendant präsentiert sich als Neuerer und Vermittler

Prickelnd: Zum Dank gab’s für Dieter Wedel eine Flasche Festspiel-Champagner.

Bad Hersfeld. Nicht die Riege der angekündigten Festspiel-Stars und nicht die Komfort-Versprechungen des neuen Intendanten Dieter Wedel waren es, die die Besucher des Talkabends unserer Zeitung in ungläubiges Staunen versetzten. Vielmehr ging ein Raunen durch das Audimax der Obersberg-Schulen, als Wedel vom Treffen mit den Veranstaltern der Oper in der Stiftsruine berichtete und deren Leiter Professor Siegfried Heinrich als „netten, umgänglichen Mann“ schilderte.

Das war den meisten der gut 300 Zuhörer des Gesprächs mit HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm etwas ganz Neues. Herrschte in Bad Hersfeld doch über Jahrzehnte gepflegter Unfrieden zwischen den von der Stadt veranstalteten Festspielen und dem Verein Arbeitskreis für Musik (AfM), der alljährlich im August zwei Opern auf die Bühne der Stiftsruine bringt.

„Ich hatte Furchtbares von Heinrich gehört“, räumte Wedel ein, der natürlich vom Dauer-Zwist um Termine, Probenzeiten und Zuständigkeiten wusste.

Doch die nach dem Auslaufen des bestehenden Vertrags erforderliche Verständigung zwischen beiden Kulturträgern hat, wie Wedel bereits bei der Pressekonferenz am Vortag verkündet hatte, „ganz umgänglich und einvernehmlich“ begonnen.

Man wolle nun erst einmal ohne den Beistand von Dritten miteinander reden, sagte der Intendant beim HZ-Talk und meinte optimistisch: „Es muss doch möglich sein, einen Weg zu finden.“ Sollte das gelingen, so Wedel mit Augenzwinkern, sei er wohl ein Kandidat für den Friedensnobelpreis.

Dabei haben die Festspiele allerdings klare Vorstellungen: „Ich nehme es nicht hin, dass der beste Monat August von der Oper belegt wird“, sagte Wedel mit Blick auf künftige Terminpläne. Und weiter führt seiner Ansicht nach „kein Weg daran vorbei, die Oper in die Festspiele zu integrieren.“

Wie ein solches Konstrukt aussehen könnte – etwa mit einem Kuratorium, in dem der AfM als Berater fungiert –, das blieb allerdings noch genauso offen wie die Überlegungen zu einer veränderten Gesellschaftsform der Festspiele als gemeinnützige GmbH oder Stiftung.

Konkret wurde Dieter Wedel mit seinen Ansprüchen für das Wohlbefinden der Festspielgäste vor, während und nach den Aufführungen. Die neue Zuschauertribüne und der Park als „grünes Foyer“ sollen dazu beitragen, wie auch Inszenierungen, die den „Spagat zwischen Anspruch und Popularität“ schaffen. So will er „an die glorreiche Vergangenheit der Festspiele anknüpfen“. Beim Blick voraus ließ Wedel den Namen Volker Lechtenbrink fallen, er stellte Arthur Millers „Hexenjagd“ in Aussicht und fand auch die Idee, ein Musical über Lingg von Lingenfeld, den Retter Hersfelds, auf die Bühne zu bringen, nicht ohne Reiz.

Er habe bei den Festspielen eine Linie vermisst, sagte Wedel. Mit seinen Ideen und Gedanken vermittelte er dem Publikum im Audimax den Eindruck, dass sich das ab sofort ändern wird.

Von Karl Schönholtz

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