Gemischte Eindrücke beim Eröffnungskonzert des Chorvereins zur Festspielsaison 2013

Frieden mit Paukenschlag

Kraftvoller Auftritt: Helgo Hahn dirigierte zum Auftakt der Festspielsaison den Chorverein und die Frankfurter Sinfoniker in der Bad Hersfelder Stadthalle. Foto: Sennewald

Bad Hersfeld. Von zwei Komponisten drei Werke mit Steigerungsmoment vom Streicherensemble über das volle Orchester bis zum Chor-Orchester-Apparat: Alles schien zum Besten bestellt. Doch hat es schon bessere Konzerte des Chorvereins gegeben, als dieses vom Samstag zur Eröffnung der 63. Festspielsaison. Woran lag es?

Die Saison 2013 thematisiert in Schauspiel und Oper nicht zuletzt den Toleranzgedanken. Er hätte auch in der Konzertaufführung von Joseph Haydns Messe d-Moll H. XXII:11, der „Nelson-Messe“, seinen Platz verdient – wenn nämlich die drei Klanggruppen Chor, Orchester und Solistenquartett es miteinander zu tun bekommen. Vorwiegend wurde daraus ein Gegeneinander, eine Rivalität um die größte Dauerlautstärke, die mächtigste akustische Geste, das letzte schlagkräftige Wort.

Der bekannte Umstand rächte sich hier, dass für solche Auftritte mit auswärtigen Instrumentalisten und Vokalisten nur eine geringe Probenzeit vorrätig ist und wohl keine für so sensible Dinge wie Klangbalance und Klangdifferenzierung. Im Konzert selbst kann dann ein Dirigent kaum noch beschwichtigend einwirken. Die Frankfurter Sinfoniker setzten sich jedenfalls dermaßen in Szene, als gelte es, eine Tschaikowski-Sinfonie ins Extrem zu treiben – mit einer Pauke, die selbst das letzte gesungene Wort „pacem“ (= Frieden) zerhieb.

Der hinter dem Orchester platzierte Chorverein mit etwa 60 Sängern brauchte so eine Weile, um sich einprägsam vernehmbar zu machen, dann aber – bis auf ein Straucheln beim „Et resurrexit“ des „Credo“-Teils – mit Kompaktheit, Energie, Zielstrebigkeit. Einige erfüllte Augenblicke im „Et incarnatus est“ und „Agnus Dei“ hatten die Soli von Katha- rina Leyhe (Sopran) und Kaja Plessing (Alt), während Hubert Schmid (Tenor) und Rolf Scheider (Bass) in ihren ganz kleinen Partien auf Linienfortsetzung und Harmoniefüllung beschränkt blieben.

Auch vor der Konzertpause gemischte Eindrücke: Haydns Sinfonie fis-Moll H. I:45, die „Abschieds-Sinfonie“, hätte in allen vier Sätzen mehr orchestralen Schliff nötig gehabt (Probenzeit). Abwechslung in die Gleichförmigkeit brachte folglich, wie oft bei Live-Darbietungen, die optische Wirkung im Finalsatz, in dem die Musiker nacheinander das Podium verlassen.

Lanze für Jenkins

Helgo Hahn, betriebsamer Chorleiter und Dirigent, hätte an Haydn zwar noch zu arbeiten, doch für den 1944 geborenen Engländer Karl Jenkins brach er hier eine weitere Lanze. Aus dem 1996 komponierten Concerto mit dem Namenszusatz „Palladio“ – nach dem venezianischen Renaissancekünstler –, einem knapp 20-minütigen tönenden Leichtgewicht à la Vivaldi, holte die Frankfurter Streichergruppe das Beste heraus: eine minimalistisch feine, rhythmisch genaue Entfaltung und Verknüpfung der Linien. Nach gut zwei Stunden üppige Blumensträuße für die Hauptakteure und nicht ganz so üppiger Beifall aus dem vollbesetzten Parkett der Stadthalle.

Von Siegfried Weyh

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