Abendmusik in der Hospitalkapelle

Von Freuden und Leiden der Liebe

Christian Hilz (links) und Thomas Boysen entführten ihre Zuhörer in die Zeiten der Renaissance und des Barock. Foto: Janßen

Bad Hersfeld. Lautenklänge und wohlgesetzter Gesang, untermalt von grollendem Sturmgetöse. Die Zuhörer, die vom Sturmtief „Xynthia“ am Sonntag zur Abendmusik in die Hospitalkapelle geweht worden waren, wurden mit einem außergewöhnlichen Konzert belohnt.

Der Bariton Christian Hilz und der norwegische Lautenist Thomas Boysen hatten europäische Liebeslieder aus Renaissance und Barock im Gepäck. Auf der Themenpalette waren nicht nur Freuden und Qualen der Liebe. Die Zuhörer erhielten von den 350 bis 400 Jahre alten Komponisten auch ganz praktische Tips – zum Beispiel, wie man sich nach einem Streit zu entschuldigen habe oder wann welche Kusstechnik anzuwenden sei.

Das warme Timbre der Stimme von Christian Hilz, der sich international einen Namen als vielseitiger Konzert- und Operninterpret gemacht hat, ermöglichte es den Zuhörern, sich die mannigfaltig dargebotenen Bilder der Lieder vor das geistige Auge zu holen: Die Einsamkeit des verschmähten Liebhabers, das Schäferstündchen und die Himmelsrose – die „Rosa del ciel“ von Claudio Monteverdi, die dem Programm den Namen gab. Thomas Boysens Begleitung beeindruckte durch enorme Exaktheit und großes musikalisches Einfühlungsvermögen.

Höfische Liebe

Natürlich war die Liebe auch Thema bei Hofe. So war es nicht verwunderlich, dass den Liedern von John Dowland – zu Beginn des 17. Jahrhunderts Inhaber des Postens „Musician for the lute“ am königlichen Hof in England – breiter Raum gewährt wurde. Thomas Boysen spielte solo zwei Instrumentalstücke von Robert de Visée – dem Gitarrenlehrer Ludwig XIV. – auf der Theorbe (der Bass-Laute). „Prelude“ und „Chaconne“ sollten den lustwandelnden „Sonnenkönig“ bei seinen Spaziergängen im Park von Versailles bei Laune halten.

Schade, dass nur relativ wenige Zuhörer den Weg in die Hospitalkapelle gefunden hatten. Deren Raum erwies sich gerade für die leisen Töne wie geschaffen.

Von Ute Janssen

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