Von Freud und Leid

Kai A.

Während Landrat Schmidt bis zur letzten Minute am Entwurf seines Spar-Haushalts feilt, formiert sich in den Reihen seiner Bürgermeister leiser Protest. Ohne ihren Dienstherren treffen sich die Gemeindefürsten seit einiger Zeit, um im Kollegenkreis ihre Probleme zu besprechen. Konstruktiv und zielführend soll es dabei über Parteigrenzen hinweg zugehen, hört man.

Geteiltes Leid ist halbes Leid – und die (finanziellen) Probleme der Gemeinden sind überall ähnlich. Deshalb herrscht bei den Bürgermeistern auch Unverständnis darüber, warum Landrat Schmidt bei den Parteifreunden in Wiesbaden und Berlin nicht endlich auf den Tisch haut – zu verlieren hat er dort nichts mehr. Dafür könnte er aber hier eine Menge Respekt gewinnen.

Auf den Tisch sollte Bad Hersfelds Kurdirektor Christian Meyer besser nicht hauen – dazu ist sein Arbeitsplatz nämlich viel zu voll. Immer neue Aufgaben wachsen dem kompetenten Tourismusfachmann zu. Offenbar soll er nun auch noch stärker in den Betrieb des wortreichs eingebunden werden. Deshalb wird derzeit hinter den Kulissen mit allen Fraktionen über den Neuzuschnitt seiner Aufgaben diskutiert, um Hersfelds Hoffnungsträger nicht zu verheizen. Vielleicht könnte man Mayer von einigen Aufgaben im Kurbetrieb entlasten – denn dort arbeiten ja auch noch andere gute Leute.

Auch in Heringen tut sich was. Das ehemalige Hotel Gunkel ist verkauft worden. Den Pächtern - die Betreiber des Restaurants Korfu - wurde zum 30. Juni gekündigt. Gemunkelt wird, dass bei Gunkel weiter gespeist werden kann. Der neue Eigentümer des Hotels soll ebenfalls aus der Gastronomie stammen.

Unterdessen soll ein Schandfleck verschwinden: Auf den Grundstücken neben der Sparkasse soll nach dem Abriss der alten Immobilien ein Neubau entstehen, in den eine Physiotherapie-Praxis, eine Bäckerei mit Café und eine Metzgerei, vielleicht sogar ein Garni-Hotel mit 40 Betten einziehen könnten. Doch wie so oft: Es gibt schon die ersten Gegner. Sie haben die Denkmalbehörden eingeschaltet, weil es sich bei den Bau-Ruinen um Fachwerkhäuser handelt.

Nach hinten losgehen könnte der Protestbrief der Bürger von Ersrode und Hainrode (übrigens im Beisebach- und nicht wie von mir geschrieben im Oberen Rohrbachtal). Ihre Beschwerden über Windkraft, Stromtrasse und Lärm lassen die Mitbürger unten im Fuldatal ziemlich kalt. „Denen kannst du die Straßen mit Gold pflastern, die haben immer noch was zu meckern“, heißt es dort im mindestens ebenso gebeutelten Süden der Reißbrett-Gemeinde. Immerhin will man entlang der B27 jetzt aktiv gegen den Bahnlärm werden. Davon werden wir wohl noch hören.

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