Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Deportation der Russlanddeutschen

Fremd in der Heimat

Peter Bocksberger, Jana Tegel und Marianna Roth (von links) trugen Lieder aus der Heimat mit selbstgedichteten Texten vor. Foto: Brandau

Bad Hersfeld. Der Stalin- Erlass zur Deportation der Russlanddeutschen jährt sich am 28. September zum siebzigsten Mal. Die Kreisgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland und der Bund der Vertriebenen Rotenburg/Fulda nahmen dies zum Anlass, zu einer Gedenkveranstaltung in das Bürgerhaus auf der Hohen Luft einzuladen. Unter dem Motto „Heimkehr als erlebte Geschichte“ wurde an die Zeit damals und den schwierigen Neuanfang in Deutschland erinnert.

Glauben gibt Stärke

Eva Scharf, Vorsitzende der Kreisgruppe Bad Hersfeld, eröffnete die Veranstaltung und übergab das Wort an Dr. Robert Brandau, Leiter der Arbeitsstelle Migration der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Brandau betonte in seiner Andacht die Bedeutung der Aufarbeitung der Vergangenheit, um gemeinsam in die Zukunft schauen zu können. „Viele haben damals nur aufgrund ihres Glaubens überlebt, der ihnen Macht und Stärke gab“, sagt Brandau.

Bürgermeister Thomas Fehling plädierte dafür, die Erinnerung zu bewahren, und lobte die Landsmannschaft für ihre Arbeit im sozialen und kulturellen Bereich. „Ich wünsche mir, dass die Aussiedler die Chance nutzen, die Deutschland ihnen bietet, und wir gemeinsam eine bessere Zukunft für unsere Kinder schaffen“. In Vertretung für Landrat Schmidt sprach sich Kreisbeigeordneter Walter Schmidt gegen Vorurteile aus. „Wir müssen den Weg der Gemeinsamkeit und Integration gehen“, betonte er.

Auch die katholische Kirche war mit Pfarrer Christian Sack von der Hohen Luft vertreten. „Wir sind alle Kinder Gottes, dem Schöpfer der ganzen Welt“, sagte er.

Der Hauptredner Johann Thießen, Vorsitzender der Landesgruppe Hessen, war sich mit allen darin einig, dass nur Wahrheit und Dialog zur wirklichen Verständigung führten.

Nach den Reden ummalte eine literarisch-musikalische Komposition den Nachmittag. Anna Neubauer vom Konrad Zuse Museum Hünfeld erzählte zusammen mit Jana Tegel die Leidensgeschichte zweier Opfer der Deportation. Einer kehrte nach 1992 nach Hünfeld zurück. Unter anderem wurde das Lied „Sei gegrüßt, neues Land, wir reichen uns die Hand“ gesungen. Die Texte erzählten sehr eindrücklich die Gefühle derer, die sich ohne Heimat fühlten.

Im Anschluss trat der Chor „Rjabinuschki“ unter der Leitung von Nelly Neufeld auf. Zum Abschluss wurde die Ausstellung „Heimkehr - Schicksalswege von Heimkehrern“ von Anna Neubauer eröffnet.

Von Lea-Marie Brandau

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