Rucksack-Raub mit Folgen

Freiheitsstrafe für 48-Jährigen aus Bad Hersfeld, der Drogenhändler bestohlen haben soll

Freiheitsstrafe für Drogenhändler.

Bad Hersfeld. Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ist ein 48-Jähriger aus Bad Hersfeld am Freitag vor dem Schöffengericht verurteilt worden.

Gemeinsam mit einem Komplizen soll er am 8. Januar 2015 einen heute 23 Jahren alten Auszubildenden ausgeraubt haben – die Beute: ein Rucksack mit 500 Gramm Marihuana im Wert von offenbar rund 5000 Euro.

Der Bestohlene wollte die Drogen eigenen Angaben nach am Abend des besagten Tages in der Wohnung eines Bekannten an der Johannes-Klein-Straße an eine dritte Person übergeben, die aber kurzfristig vom Kauf zurückgetreten sei. Als er den Rückweg antreten wollte, sei er auf eine dunkel gekleidete Person aufmerksam geworden, was ihm verdächtig vorgekommen sei und ihn dazu veranlasst habe, ein wenig später einen anderen Weg am Wald zu nehmen.

Dort sei er dann allerdings von zwei Männern – einer groß, einer kleiner – „erwartet“ worden. Während der Größere ihn in den Schwitzkasten genommen und bedroht habe, habe der andere ihm den Rucksack abgenommen, berichtete der Geschädigte nun als Zeuge vor Gericht. Identifizieren konnte er den Angeklagten jedoch nicht. Bei der Polizei angezeigt hatte der Azubi den Diebstahl erst ein oder zwei Tage später, wobei er zunächst auch den brisanten Inhalt des Rucksacks verschwieg. Lediglich von Kopfhörern, einem Regenschirm und wertlosen Sonnenbrillen war anfangs die Rede.

Den Stein ins Rollen brachte schließlich eine Vertrauensperson der Polizei – vom Verteidiger des Angeklagten als „bezahlte Spitzel“ betitelt –, die eigentlich wegen einer anderen Sache kontaktiert worden war. Der- oder diejenige wollte auch von dem Raub und dem Inhalt des Rucksacks gewusst haben. Als Täter wurde der Angeklagte benannt, der in der Drogenszene kein Unbekannter sein soll und einen besonderen Spitznamen trage.

Bei einer Durchsuchung der Wohnung des 48-Jährigen fanden Polizisten schließlich auch den besagten Rucksack, der anhand von zwei Flecken dem Geschädigten eindeutig habe zugeordnet werden können. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem geplatzten Drogengeschäft und dem späteren Raub gab, konnte vor Gericht nicht geklärt werden. Der Staatsanwältin reichten alle Indizien und die „enormen Vorstrafen“, um eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten ohne Bewährung zu fordern.

Zugute komme dem Angeklagten die geringe Gewaltanwendung. Dessen Verteidiger bezweifelte die Qualität und die Quantität der Indizien und Aussagen, die eine Täterschaft seines Mandanten nicht eindeutig belegten. Der Angeklagte selbst äußerte sich nicht zur Sache, er betonte lediglich, dass er mit dem Raub nichts zu tun habe. Das Urteil nahm er unter Kopfschütteln entgegen.

Sein Verteidiger kündigte an, Berufung einzulegen. Richter Michael Krusche sprach in der Urteilsbegründung von einer Vielzahl vorheriger Straftaten, einer erheblichen Beute und einer ungünstigen Sozialprognose.

Kommentare