„Sister Class“ in der Stadthalle: Katja Ebstein überzeugte mit ihrer Vielseitigkeit

Freiheit entsteht im Kopf

Die Ebstein in Bad Hersfeld: Katja Ebstein brillierte als Nonne in der Musik-Inszenierung „Sister Class“. Foto: ast

Bad Hersfeld. Nonne und musikalischer Begleiter, ein Flügel, ein Schreibtisch, eine Tafel – das war der Rahmen für den musikalischen Abend „Sister Class“ mit Schwester Claires Lebenshilfeseminar. In der Inszenierung von Peter Nünsch brillierte Katja Ebstein in einem Gastspiel des Kleinen Theaters Bad Godesberg in der fast zwei Stunden dauernden Aufführung in der sehr gut besetzten Stadthalle Bad Hersfeld.

Eingebettet in die Geschichte eines Lebenshilfeseminars, in dem das Publikum den Seminaristen gibt, stellte Katja Ebstein, begleitet am Flügel von dem kongenialen Schauspielkollegen und Pianisten Stefan Kling, ihre Vielseitigkeit auf der Bühne unter Beweis. Immer wieder wird bei den Textpassagen pointiert und zielgerichtet ihr Eintreten für eine human funktionierende Gesellschaft offenbart.

So finden Themen wie die Einstellung von Kriegshandlungen, das heutige gesellschaftliche Leben mit googeln, chatten und chillen, Piercings und Tattoos, aber auch die Prunksucht des Bischofs von Limburg, anstelle von Facebook-Bekanntschaften die Suche nach lebendigen Freunden oder die Überfrachtung von Kochshows im deutschen Fernsehen im Programm ihren Widerhall.

Zitate von Heine und Brecht werden ebenso wie pädagogische Hinweise auf Erziehungsmethoden, Vorbildwirkung für Kinder und die Erhaltung von Werten erwähnt. Das Verhalten und Gedankengut von Franz von Assisi wird als Ideal herausgestellt und jeder aufgefordert, seine unentdeckten Talente, seine Phantasien, anstelle von Sicherheit das Schicksal und die Zeit walten zu lassen. Freiheit, die im Kopf entsteht, anzustreben, denn diese Freiheit kann einem keiner nehmen. Nichts war besserwisserisch, sondern wurde so präsentiert, dass es den Zuschauer zum Nachdenken anregen musste. Höhepunkt waren Ebsteins Gesangseinlagen, ob beim „Ist man da zuhause, wo man Miete zahlt“, „Soll ich glauben, was ich weiß“, Gospelgesang, „Valentine“, „Die kleinen Hände“ oder “Wunder gibt es immer wieder“. Bei „Theater“ hielt es das Publikum nicht mehr. Rhythmisches Klatschen und lang anhaltender Szenenapplaus zeigten, dass das Publikum vom erstmaligen Auftritt Ebsteins in Bad Hersfeld begeistert war und auf eine Rückkehr hofft.

Katja Ebstein besticht nicht nur durch ihre unprätentiös virtuose Mimik, ihrer deutschen und englischen Sprache, ihrem sächsischem und Berliner Slang. Gesanglich bewegt sich die Künstlerin in verschiedenen Welten. Die große Entertainerin ist immer so alt, wie Song und Text es bestimmen.

Wilfried Kehl aus Unterhaun sagte nach dem musikalischen Abend: „Es war für meine Lebensgefährtin und mich ein grandioser Abend. Die Natürlichkeit und der Charme von Katja Ebstein haben uns begeistert. Die Vorstellung hat viel Nachdenkliches in uns wachgerufen“. (ast)

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