Schüler der Modellschule Obersberg bekamen während Profilwoche neue Einblicke

Freiheit neu entdeckt

Freiheit aus Sicht der Wirtschaft: Die Schülerinnen Isabell Schallhas, Leonie Zilch, Angela Sauer und Lehrer Arne Stückradt befassten sich mit Themen wie Mindestlohn, Reichensteuer und Bedingungsloses Grundeinkommen. Foto: Stehr

Bad Hersfeld. Freiheit – ein Begriff, den auch die Schüler der Modellschule Obersberg (MSO) schon häufig genutzt, aber selten hinterfragt haben. Jetzt, nachdem sie eine Profilwoche zum Thema „Freiheit“ hinter sich gebracht haben, haben sich einige der Schüler nicht nur Gedanken über den Begriff gemacht, sondern auch ihre Definition erweitert oder sogar verändert.

So beschäftigte sich die Profilgruppe Wirtschaft zunächst mit der Antrittsrede des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Die These „Freiheit als Bedingung für Gerechtigkeit – und Gerechtigkeit als Bedingung dafür, Freiheit und Selbstverwirklichung erlebbar zu machen“ war für die Schüler der zwölften und 13. Jahrgangsstufe Ausgangspunkt, über den Zusammenhang zwischen Freiheit und Gerechtigkeit nachzudenken. Und weil sie aus dem Profil Wirtschaft kommen, diskutierten die Jugendlichen über Themen wie Mindestlohn, Reichensteuer und Bedingungsloses Grundeinkommen.

„Man muss Freiheit ausprobieren“

Reinhard Höppner

Andere Schüler mit dem Profil Politik hatten den „Arabischen Frühling“ als Grundlage ihrer Arbeit. Im Profil Sport ging es um die Leitfrage „Freiheit zur Höchstleistung: Sollte man Doping freigeben?“.

Die Mädchen und Jungen mit dem Profil Wirtschaft stellten fest, dass die Soziale Marktwirtschaft, die sie bereits im Unterricht behandelt hatten, auch Schwächen hat. „Bildung ist die beste Lösung“, fassten Isabell Schallhas, Leonie Zilch und Angela Sauer die von den Schülern erarbeitete Ergebnisse zusammen. „Man muss zwar investieren, aber man bekommt mehr zurück, als man einzahlt“, erklärten die drei. Mit der Einschränkung, dass auch das „nur Theorie sei“.

Zum Greifen nah war der Begriff Freiheit beim Vortrag von Reinhard Höppner. „Man muss Freiheit ausprobieren“, sagte der ehemaliger Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt. „Aber man muss auch die Verantwortung dafür übernehmen.“

Unterhaltsam und lebendig berichtete er aus der Zeit der Wende in der DDR. Und davon, wie dort Freiheit empfunden wurde. Stille herrschte, als er von einem Jungen sprach, der in den Wende-Tagen zum Friedensgebet ans Mikrofon trat und sagte: „Mein Vater ist bei den Einsatztruppen, er steht ein paar Meter von hier. Ich bitte darum, dass er nicht auf mich schießen muss.“ Und wie dabei der Ruf „Keine Gewalt“ für ein Stück Freiheit sorgte.

Auf eine ganz andere Art betrachteten die Biologen der MSO die Freiheit. Sie betrachteten das Gehirn und sezierten ein Schweinehirn. Zudem hielt Markus Horn vom Klinikum in Bad Hersfeld einen Vortrag zum Thema „Neurobiologie und freier Wille“.

Vor den Profiltagen war Freiheit für die Schüler mit Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, Meinungsfreiheit und Entscheidungsfreiheit verbunden. Nach der Profilwoche sagen sie: „Freiheit ist viel mehr als diese Begriffe.“

Von Claudia Stehr

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