Bewohnerinnen erzählen von schlagenden Männern und funktionierender Hilfe

Frauenhaus macht stark

Gemeinsam neuen Lebensmut finden, den Alltag neu organisieren und füreinander einstehen. Das ist den Bewohnerinnen des Frauenhauses wichtig. Foto:  Archiv

Bad Hersfeld. 13 Jahre lange lebte Marion* fast wie eine Leibeigene. Sie durfte ihre Freundinnen nicht mehr treffen und hatte kaum noch Kontakt mit ihrer Familie. Ihr Mann, ein Pakistaner, nahm sich das Recht heraus, andere Frauen zu haben. „Ich musste das akzeptieren und habe das auch versucht“, sagt sie. Sie wurde beschimpft, gedemütigt, geschlagen und mit dem Tod bedroht.

Versprechungen

Immer wieder hat sie versucht, ihren Mann zu verlassen. Doch dann glaubte sie seinen Versprechungen, versuchte es noch einmal mit ihm und scheiterte erneut. Und jedes Mal ging wieder ein Stück Mut und Selbstvertrauen verloren.

Als sie sich dann kurzentschlossen erneut zur Flucht entschloss, wusste sie, dass sie weit weg musste vom gemeinsamen Wohnort. Im Internet suchte sie nach Frauenhäusern und nahm schließlich Kontakt mit den Mitarbeiterinnen in Bad Hersfeld auf.

Vor ihrem Mann hat sie immer noch Angst. Er weiß nach wie vor nicht, wo sie sich aufhält. Auch ihrer Familie hat sie das erst nach einigen Wochen erzählt.

Nicht mehr selbständig denken

„Ich konnte am Schluss nicht mehr selbstständig denken“, erzählt Marion. „Erst hier im Frauenhaus habe ich wieder zu mir gefunden und mein Selbstwertgefühl wieder entwickelt. Hier fühle ich mich gestärkt.“

So ähnlich empfindet das auch Maria* . Sie hat gerade mit ihrem kleinen Sohn den Umzug in eine eigene Wohnung bewältigt. Marion und die anderen Frauen haben ihr dabei geholfen, die Wohnung zu renovieren und den Umzug zu bewerkstelligen. „Das Frauenhaus macht einen stark“, sagt Maria. Solidarität und Unterstützung von Frauen, die dabei nicht auf das Alter oder die Herkunft achten, kannte sie so nicht. „Hier macht man was aus sich“, stellt sie fest. Früher musste sie die Dienerin ihres Mannes und seiner Familie sein.

Nach der Flucht vor ihrem Ehemann, der sie schlug und misshandelte und alles Geld verspielte, so dass Maria nicht mehr wusste, wie sie Nahrung für ihr Kind kaufen sollte, hat sie, wie so viele andere, erst mal ihr Äußeres verändert. Nicht mehr lange Röcke und ungepflegte Haare, sondern modische Kleidung und Make Up sind für die 20-Jährige jetzt angesagt. „Viele Frauen verändern erst mal ihr Äußeres, wenn sie ihren Mann verlassen“, erzählt Brigitte Herold. Es ist ein Symbol für den Neuanfang, den Wunsch, künftig selbstbestimmt zu leben.

Wohnung in der Nähe

Ihre neue Wohnung hat Maria ganz in der Nähe des Frauenhauses gefunden. Die Möglichkeit, die neuen Freundinnen jederzeit besuchen zu können oder sich Rat von den Mitarbeiterinnen zu holen, ist ihr wichtig. Auch hier geht es ihr wie vielen ehemaligen Bewohnerinnen, die sich in der Nachbarschaft ihres Zufluchtsortes niedergelassen haben.

Etwa 25 ehemalige Bewohnerinnen wurden im vergangenen Jahr regelmäßig von den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses nachbetreut. Sie brauchten Hilfe bei der Regelung ihrer finanziellen Angelegenheiten oder des Sorge- und Umgangsrechts für die Kinder, Begleitung zum Jugendamt oder zu Gerichtsterminen und Unterstützung in Krisensituationen. Nach Möglichkeit besuchen die Mitarbeiterinnen die Frauen auch einmal in ihrer neuen Wohnung www.frauenhaus-bad-hersfeld.de

* Namen von der Redaktion geändert.

Von Christine Zacharias

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