Vor 22 Jahren wurde erstmals Weiberfastnacht in Sorga gefeiert

Frauen schaffen das

Originelle Verkleidungen, Polonaisen durch den Saal und beste Stimmung gehören bei der Weiberfastnacht in Sorga fest zum Programm. Foto:  Archiv

Sorga. Völlig verrückt fanden die Männer des TSV Sorga die Idee, Weiberfastnacht zu feiern. „Das funktioniert hier nie“, unkten Vorstand und Hofrat. „Wir wollten es den Männern beweisen, dass wir es doch schaffen“, sagt Gertrud Hildebrand, eine der beiden Initiatorinnen des Weiberfaschings in Sorga. Das war vor mehr als 22 Jahren.

Etwas erleichtert wurde das Projekt durch die Tatsache, dass Christa Zboron, die zweite Initiatorin, damals selbst Vereinsvorsitzende war. Sie kannte den Weiberfasching aus dem Rheinland und wollte dieses Vergnügen den Frauen aus Sorga nicht vorenthalten.

Trotz aller Skepsis ging im Februar 1988 die erste Sorgaer Weiberfastnacht über die Bühne und wurde zu einem Riesenerfolg. Über 200 Frauen aus der ganzen Region waren spontan der telefonischen Einladung Gertrud Hildebrands gefolgt und wurden von Präsidentin Christa Zboron mit „Es wäre doch gelacht – heute haben wir Frauen die Macht“ begrüßt. Teilweise kamen die Frauengruppen sogar mit dem Bus angereist. Und viele brachten ihre eigenen Nummern mit, Tänze, Sketche, Büttenreden, Männerballett – alles was zum Karneval dazu gehört.

Dass mitunter stark improvisiert werden musste, nahmen Christa Zboron und Gertrud Hildebrand gelassen. „Ich hatte nur meine Begrüßung fertig vorbereitet, alles andere musste spontan kommen“, erinnert sich Zboron an den ersten Weiberfasching.

Orden selbst gebastelt

Die Orden für die Mitwirkenden hatten die Hofrätinnen selbst gebastelt, aus CDs mit kleinen Parfümfläschchen und Glitzersteinen. Inzwischen gibt es jedes Jahr einen neuen Button als Orden, natürlich auch selbst hergestellt.

Übrigens: Der Sorgaer Hofrat hatte sich schließlich überzeugen lassen und gab alles: In Frauenkleidern sorgten die Ratsherren dafür, dass keine durstige Kehle trocken blieb. Ihre Umhänge und ihre Narrenkappen hatten die Hofräte den Damen für diesen Abend ebenfalls überlassen.

Seitdem ist der Ansturm auf den Sorgaer Weiberfasching unvermindert. Ganz im Gegenteil: Vor einigen Jahren gab es 500 Voranmeldungen für eine Halle, die etwa 350 Leute fasst. Inzwischen gibt es reservierte Sitzplätze nur noch für die Gruppen, die auch auftreten. Alle anderen müssen einfach rechtzeitig in der Halle sein.

Die fröhlichen Runden aus Sport- und Gesangvereinen, aus Arbeitskollegen oder Bekanntenkreisen sind übrigens einer der Stimmungsgaranten beim Sorgaer Weiberfasching. „Da kennt man sich schon und muss nicht erst warm miteinander werden“, erklärt Elke Hildebrand, seit 2001 Präsidentin. Außerdem kamen die Frauen von Anfang an kostümiert – das wirkt ebenfalls auflockernd für die Stimmung. Und so kommt es, dass die Frauen meistens schon bei den ersten Nummern auf Tischen und Bänken stehen und ausgelassen feiern – ohne dass der Alkohol da schon in Strömen geflossen sein muss.

Anders als im Rheinland dürfen in Sorga auch Männer in die Halle. In den ersten Jahren wurden ihre Krawatten abgeschnitten, inzwischen wird erwartet, dass sie sich als Frauen kostümieren. „Es gibt schon schnuckelige Kerle in Frauenkleidern“, schwärmt Gertrud Hildebrand.

Von Christine Zacharias

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