Doch die Wirklichkeit in der Berufswelt sieht ganz anders aus

Frauen glauben, im Job gut aussehen zu müssen

Hersfeld-Rotenburg. Zweidrittel der Arbeitnehmerinnen sind davon überzeugt, dass ihr Äußeres ihre Karrierechancen herauf- oder herabsetzt. Dies ergab eine Studie der bundesweiten Personalagentur jobs in time. Gestützt werden die Ergebnisse durch eine Umfrage der Marplan Forschungsgesellschaft aus Offenbach, nach der die Hälfte der Deutschen überzeugt ist, dass nur gut aussehende Menschen eine Chance im Leben hätten.

„Ein Restaurantbesitzer würde sehr wahrscheinlich keine Bedienung mit Trauerrändern unter den Fingernägeln einstellen“, sagt Dr. Andrea Fink-Jacob, Frauenbeauftragte des Landkreises Hersfeld Rotenburg. Natürlich spiele das Gesamtauftreten eine wichtige Rolle bei einem Bewerbungsgespräch. Dazu gehöre aber eher ein gepflegtes Äußeres, gute Umgangsformen und soziale Kompetenz und eben nicht eine Optik wie ein Model. Zudem sei die fachliche Qualifikation bei Personalentscheidungen viel wichtiger. Fink-Jakob befürwortet deshalb auch das anonyme Bewerbungsverfahren, bei dem weder Foto noch Name bekannt sind. „Dann steht wirklich die Kompetenz im Vordergrund.“

Beschwerden von Frauen, die sich wegen ihres Äußeren im Job diskriminiert fühlen, hat es bei ihr im Frauenbüro noch nicht gegeben. Vor einigen Jahren allerdings habe sie die Antidiskriminierungsstelle in Berlin wegen einer Stellenanzeige angeschrieben: „Da suchte doch tatsächlich jemand nach einer jungen, hübschen Arzthelferin – so etwas geht nun wirklich nicht.“

Dem stimmt auch die Agentur für Arbeit in Hersfeld-Rotenburg zu. Doch die Arbeitgeber aus der Region wüssten Bescheid und würden keine diskriminierenden Stellenanzeigen schalten. Auch vor dem Antidiskriminierungsgesetz (AGG) von 2006 habe es bei der Agentur Anzeigen, die auf das Äußere abzielen, nicht gegeben, sagt Pressesprecherin Melanie Bonacker. Hintergrund, ZUM TAGE

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Von Diana Rissmann

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