Auch am 100. Internationalen Frauentag gibt es noch massive Benachteiligungen

Frauen fordern ihr Recht

Starke Frauen aus Europa hat die in Wehrda lebende Fotografin Inge Werth (vorne) im Bild festgehalten. Einige von ihnen sind prominent, wie Hildegard Knef, Lotte Lenya oder Luise Rinser, viele sind arm, alle aber sind eindrucksvoll. Inge Werth hat sie für ihre Bilder nicht in Szene gesetzt, sondern mitten im Leben abgebildet. Die Ausstellung „Frauen in Europa“ wurde zum Internationalen Frauentag im Buchcafé eröffnet und ist dort während der normalen Öffnungszeiten zu besichtigen. Foto:  Zacharias

Bad Hersfeld. Fünf Nelken bekam Maria Wieczorek früher in Polen zum Frauentag, von jedem ihrer fünf Vorgesetzten eine. Den Empfang musste sie jeweils per Unterschrift quittieren. Nelken waren teuer – für den Preis einer Nelke bekam man ein Stück Butter – und alles musste seine Ordnung haben. Das erzählte die Sprecherin des Frauennetzwerks bei der Veranstaltung zum Internationalen Frauentag im Buchcafé. Als Ausdruck der Wertschätzung empfanden die Frauen diese Nelken nicht, erinnert sich Maria Wieczorek. Was sie jedoch am Frauentag mochten, war, dass sie nach dem gemeinsamen Frühstück frei hatten, bummeln gehen und den Tag für sich genießen konnten. Heute gebe es weder Nelken noch den Frauentag in Polen, informierte Wieczorek.

Dabei entstand der Internationale Frauentag vor 100 Jahren nicht als Feier-, sondern als Forderungstag. Das Frauenwahlrecht war eine der ersten Forderungen, die Frauen am 8. März öffentlich stellten, erinnerte die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz. Gleiches Geld für gleiche Arbeit, legale Schwangerschaftsabbrüche, tatsächliche Gleichberechtigung und die Überwindung traditioneller Rollenmuster sind Forderungen der Frauen, die zum großen Teil heute noch aktuell sind. „Den Frauen wurde nichts geschenkt, sie müssen ihre Rechte weiter einfordern“, machte Künholz deutlich.

Dass das gerade in Deutschland dringend nötig ist, stellte die Frauenbeauftragte Dr. Andrea Fink-Jacob fest. Deutschland liege weltweit an fünfter Stelle beim Anteil von Frauen in Führungsprositionen und der Niedriglohnbereich, sei noch immer weiblich. Leistungen von Frauen und Männern müssten endlich gleichermaßen anerkannt und bezahlt werden, forderte Andrea Fink-Jacob.

Von Christine Zacharias

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