SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles war bei „Roths Kaffeeklatsch“ zu Gast

Frau im Männerhaufen

Kaffeeklatsch mit Andrea Nahles: Die SPD-Generalsekretärin war auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Roth (links) nach Heringen ins Martin-Luther-Haus gekommen. Rechts im Bild Hausherr Pfarrer Thorsten Waap. Foto: Maaz

Heringen. Andrea Nahles fährt schneller als Tempo 120, sie ist toleranter mit der katholischen Kirche als mit der SPD, sie feiert Weihnachten immer im Kreis der Familie und würde gerne mal einen Abend mit Mario Adorf verbringen. All das erfuhren die rund 100 Gäste bei Michael Roths „Kaffeeklatsch“ gestern in Heringen.

Der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete hatte die Generalsekretärin seiner Partei und Verantwortliche für den Bundestagswahlkampf ins Martin-Luther-Haus eingeladen, um mit ihr über Gott und die Welt zu plaudern, über Politik, aber auch über Privates. Die vielen leckeren Kuchen und Torten, die der SPD-Ortsverein aufgetischt hatte, wurden da recht schnell zur Nebensache.

Die bekennende Katholiken aus der Eifel schien sich im evangelischen Martin-Luther-Haus in Roths Heimatstadt denn auch sichtlich wohl zu fühlen.

Locker und unverkrampft

Die Politikerin präsentierte sich locker und gänzlich unverkrampft, alle Fragen beantwortete sie prompt und ausführlich – egal ob es um die Wahl zwischen Currywurst oder Salat ging, den letzten Frustkauf, das Leben auf dem Land oder ihre Darstellung in den Medien.

Nahles berichtete von dem schlimmen Autounfall, den sie als Fahranfängerin baute und bei dem sie schwerverletzt wurde, von ihrem Haus, das sie mit der Hilfe des Vaters in neun Jahren zu einem Schmuckstück machte, sowie ihrem Pferd, das sie vor der Zwangsversteigerung rettete.

Auch ein vermeintlich „heikles Thema“ sprach Roth an: Andrea Nahles und die Männer. Damit waren die Herren Oskar Lafontaine, Franz Müntefering und der aktuelle SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel gemeint.

Oskar Lafontaine habe sie sehr gefördert und immer „wie einen jungen Mann“ behandelt. Was nicht selbstverständlich sei, zumal es als Frau im „Männerhaufen“ Politik heute noch schwer sei, über Stellvertreter-Posten hinauszukommen. Allerdings habe er sie später sehr enttäuscht. Auch mit Franz Müntefering sei sie immer gut klargekommen, so Nahles – bis es dann um ihre Kandidatur als Generalsekretärin ging. „Sigmar Gabriel ist ein Alphatier, es braucht Disziplin mit ihm zusammenzuarbeiten, aber es klappt“, verriet die studierte Germanistin. Denn sie seien politisch doch eigentlich nah beieinander.

Nahles war in ihrer Jugend über die Jusos zur SPD gekommen, 1998 kam sie in den Bundestag, bevor sie diesen 2002 erstmal wieder verlassen musste, weil 34 Stimmen fehlten.

Ihr letzter Frustkauf war übrigens eine Handtasche, da ist die Politikerin, die sich nicht nur um „weibliche“ Themen kümmern will, doch ganz Frau.

Von Nadine Maaz

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