Christina Mohr beweist bei der Feuerwache Humor – „Man kommt schnell ins Gespräch“

Die Frau am Fierche

Braucht Humor und Kraft: Christina Mohr ist die einzige Frau bei der Feuerwache am Lullusfeuer. Sie passt nicht nur auf, dass das Fierche nicht erlöscht, sondern hat auch die Besucher im Blick, die Unfug im Sinn haben oder Gefahr laufen, sich zu verletzen. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Als Frau am Lollsfeuer braucht man „ein dickes Fell, eine große Klappe, eine Menge Humor und auch ein bisschen Kraft“, erklärt Christina Mohr. Die 43-Jährige muss es wissen, denn sie war im vergangenen Jahr die erste Dame bei der Feuerwache und ist auch diesmal wieder dabei.

Mohr ist eine waschechte Herschfellerin – zumindest fast. Denn „innerhalb der Hersfelder Stadtmauern bin ich nicht geboren“, gibt sie zu und lacht. Bei der Stadt Bad Hersfeld ist die 43-Jährige als Gärtnerin beschäftig. Als sie in dieser Funktion erstmals beim Stapeln des Holzes für das Lollsfeuer dabei war, kam sie auf die Idee, bei der Feuerwache mitzumachen. „Ich dachte, das könnte Spaß machen und wie es der Zufall wollte, wollte gerade einer der Männer sein Amt abgeben“, erinnert sich Mohr, die kurzerhand für den Job vorsprach.

Jetzt ist sie die einzige Frau in dem achtköpfigen Team, das das Lollsfeuer rund um die Uhr jeweils zu zweit bewacht. Von 7 bis 15 Uhr, 15 bis 23 Uhr oder 23 bis 7 Uhr dauern ihre Einsätze. Dabei geht es nicht nur darum, das Erlöschen zu verhindern und regelmäßig neues Holz nachzulegen. Mohr und ihre Kollegen achten auch darauf, dass am Fierche niemand Unfug treibt oder zu Schaden kommt. „Man sollte sich also auch in erster Hilfe und im Umgang mit dem Feuerlöscher auskennen“, weiß Mohr, die stets mit Sicherheitsschuhen und Handschuhen ausgestattet ist. „Hier sind schon spezielle Menschen unterwegs“, sagt die 43-Jährige schmunzelnd.

Mit Betrunkenen sei es übrigens wie mit kleinen Kindern. „Man sieht ihnen schon an, wenn sie etwas im Schilde führen“, hat die Frau am Fierche festgestellt. Mancher versuche zum Beispiel, ins Feuer zu pinkeln oder darüber zu springen.

„Den richtigen Ton finden“

Autoritätsprobleme habe sie als Frau noch nicht gehabt. Im Gegenteil: So mancher angeheiterte Besucher rücke schnell von seinem Vorhaben ab, um mit ihr ins Gespräch zu kommen. „Da muss man einfach den richtigen Ton finden und einen lockeren Spruch auf Lager haben.“ Überhaupt seien die meisten Besucher friedlich. Gibt es doch mal Probleme, ist das Handy immer griffbereit, um die Polizei oder das DRK zu verständigen. Und Mohr hat auch nicht nur mit betrunkenen Nachteulen zu tun. Auch Menschen auf dem Weg zur oder von der Arbeit kämen zu nachtschlafender Zeit vorbei, um ganz in Ruhe den Blick aufs Feuer genießen zu können. „Auch mit denen kommt man schnell ins Gespräch“, berichtet Mohr, die am Feuer schon so viele interessante Geschichten gehört habe, dass man ein Buch damit füllen könne.

Allein am Feuer sind Mohr und ihr Schicht-Partner selten. „Ich habe es noch nicht erlebt, dass niemand mehr hier war“, berichtet die 43-Jährige, die selbst natürlich auch immer drei, vier Kastanien „in der Kippe“ hat. Ihre letzte Schicht hat Mohr am Sonntag, und wenn das Fierche gelöscht ist, gibt es zum Abschluss erstmal ein Bier und ein Lollsfeuer.

Von Nadine Maaz

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