40 Jahre Vitalisklinik in Bad Hersfeld: Ehrung, Festreden und ein Dilemma

Frau der ersten Stunde

Seit Oktober 1973 arbeitet Marianne Schmidt in der Vitalisklinik im Versorgungsservice und ist heute die einzige „Frau der ersten Stunde“. Geschäftsführer Hans-Wilhelm Saal überreichte aus diesem Anlass bei der Feier zum 40-jährigen Bestehen des Krankenhauses einen Blumenstrauß. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Heilung und Linderung für magen- und darmkranke Patienten, das ist sei 40 Jahren das Bestreben der Vitalisklinik in Bad Hersfeld. Und genauso lange ist Marianne Schmidt im Versorgungsservice um das leibliche Wohl der Kranken bemüht. Als Frau der ersten Stunde wurde sie bei der gestrigen Geburtstagsfeier mit einem Blumenstrauß geehrt.

Zuvor hatte Festredner Ludwig Georg Braun, Senior-Chef des Krankenhaus-Zulieferers B. Braun, die gewaltigen Veränderungen thematisiert, die in dieser Zeit sowohl im Gesundheitswesen wie in der Industrie stattgefunden haben. „Wir haben immer noch die alten Bilder im Kopf“, sagte er und erinnerte an Charlie Chaplins „Moderne Zeiten“. Tatsächlich trügen die Mitarbeiter in seiner Firma heute nur noch die Verantwortung, während die eigentliche Arbeit von Automaten erledigt würde. Auch in der Gesundheitspflege habe die Apparatemedizin zahllose Menschenleben gerettet, obwohl sie von Vielen mit Skepsis gesehen würde.

Das Dilemma der Krankenhäuser beschrieb Braun mit dem Hinweis auf die erzielten Gewinne: Während die Wirtschaft ihr Plus natürlich behalten dürfe, würde der gesundete Patient ohne weiteren Ertrag für die Klinik der Gesellschaft zurückgegeben. Auch sei es einfacher, zwei Milliarden Einwegspritzen in gleicher Qualität zu produzieren, als jeden Patienten individuell zu behandeln. Braun rief jedoch dazu auf, die Kultur und die Seele des Klinikbetriebes nicht aufzugeben und nicht alles unter materiellen Gesichtspunkten zu sehen.

In einer weiteren Festrede setzte sich Thomas Hild-Füllenbach von der Deutschen Rentenversicherung Hessen mit der medizinischen Rehabilitation in einer alternden Gesellschaft auseinander.

Von Karl Schönholtz

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