66. Festspielsaison: Eröffnungskonzert mit Shakespeare, Mendelssohn, Puccini und Helgo Hahn

Frankfurter Sinfoniker und Chorverein begeistern in der Bad Hersfelder Stadthalle

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Beste Unterhaltung: Die Frankfurter Sinfoniker und der Chorverein Bad Hersfeld eröffneten die 66. Festspielzeit mit einem Konzert in der Stadthalle.

Bad Hersfeld. Tut es nicht gut, sich zu vergewissern...? Dass der Knabe Felix schon mit 17 Jahren seine „Sommernachtstraum“-Ouvertüre komponierte? Dass der US-Regisseur William Dieterle 1961 mit dem unsterblichen Shakespeare-Stück erstmals eine Komödie in die Stiftsruine brachte?

Dass der eine oder andere ältere Hersfelder in jenen Frühlingszeiten der Festspiele zumindest als Statist neben Albin Skoda oder Hannsgeorg Laubenthal, neben Ruth Niehaus oder Witta Pohl auf der Bühne stand? Der „Sommernachtstraum“ lässt uns in der Festspielstadt eben nicht los. Auch nicht am Tag nach William Shakespeares 400. Todestag. Da träumte er sich eine knappe Stunde lang zart bis heftig aus im sonntäglichen Eröffnungskonzert des Chorvereins zur 66. Festspielsaison. Helgo Hahn dirigierte fünf Nummern aus Felix Mendelssohns Schauspielmusik op. 21 (Ouvertüre) und op. 61 (Scherzo, Rüpeltanz, Notturno, Hochzeitsmarsch). Die Frankfurter Sinfoniker waren mit Hingabe, Akkuratesse und guter Balance zwischen Elfenanmut und Rüpelderbheit bei der Sache.

Man durfte schwelgen –auch als der Überraschungsgast Joern Hinkel, seines Zeichens künstlerischer Leiter der Festspiele, die Schatzkiste eigener und Shakespeare’scher Theatralik öffnete: ein Autor, Rezitator, Akteur und Anmacher, der alle verfügbaren Rollen spielt, am besten alle in einer. „Shall I compare thee to a summer’s day“ – so beginnt das berühmte 18. Sonett. Und wie ein Sommertag umschmeichelte, umstürmte dieser Bühnenbeherrscher sein großes Publikum in der Stadthalle und riss es zu Szenenapplaus hin. Wir fügen schlicht und „Sommernachtstraum“-gemäß hinzu: „Gut gebrüllt, Löwe!“

Das hat auch für die Messa di Gloria von Giacomo Puccini zu gelten, die Talentprobe des gerade einmal 20-jährigen späteren Opernkomponisten. Ein Stück, das erst nach dem 2. Weltkrieg wiederentdeckt wurde, das seine Stärken in der makellosen Anpassung an den Typus der festlichen, klangschönen und effektvollen Messkomposition, im lieblich-locker schwingenden, mehrmals herbeizitierten „Gloria“-Motto hat und seine Schwächen in den vielen Chor-Orchester-Stimmverdopplungen und in den allzu vordergründigen opernhaften Schlusssteigerungen.

So kamen Helgo Hahn, die Sinfoniker und der ansonsten klanglich differenzierende Chorverein bisweilen nicht umhin, die auftrumpfende Geste zu betonen. Von den beiden singenden Solisten kehrte André Khamasmie (Tenor) weniger den Pavarotti als den stilsicheren und nuancierten Carlo Bergonzi hervor, während Rolf A. Scheider sich auf seine wirkungsvolle Bassgewalt verlassen konnte. Fazit: kein repertoirefähiges Werk – doch schön, es einmal gemacht und gehört zu haben. Übrigens nicht als Bad Hersfelder Erstaufführung; sie besorgte Siegfried Heinrich bereits 1984. (Siegfried Weyh)

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