Bad Hersfelder Festspiele: Stephan Schad wird ein sehr junger Nathan sein

„Fragt in zehn Jahren nach“

Stephan Schad zwischen den Stühlen: Seine Zeit im Hamburger Schauspielhaus geht dem Ende entgegen, etwas Neues wird folgen. Deswegen hat er das Angebot, bei den Bad Hersfelder Festspielen die Hauptrolle in „Nathan der Weise“ zu spielen, gerne angenommen. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld/Hamburg. Als Stephan Schad am Rande einer Theateraufführung in Hamburg von einem Bekannten auf die Rolle des Nathan bei den Bad Hersfelder Festspielen angesprochen wurde, antwortete er verdutzt: „Fragt mich in zehn Jahren wieder!“

Denn Schad ist noch keine 50 Jahre alt, sieht sogar noch jünger aus und entspricht deshalb überhaupt nicht dem Typ, mit dem Lessings „Nathan der Weise“ auf Deutschlands Bühnen normalerweise besetzt wird.

Doch die Frage war weder ein Irrtum noch ein Scherz, sondern entsprang der konzeptionellen Idee, die Festspiel-Intendant Holk Freytag für seine Nathan-Inszenierung entworfen hat. Ein Mann um die Fünfzig sollte es sein, und so wurde es Stephan Schad.

Der ist von dieser großen Aufgabe derart begeistert, dass er für den Sommer in Bad Hersfeld sogar einen TV-Dreh auf Hawaii sausen ließ. „Ich habe da mächtig Respekt, denn der Nathan gehört mit zum Größten, was man spielen darf“, stellt Schad beim Gespräch mit unserer Zeitung in Hamburg fest.

Das ist nicht nur so dahergesagt. Denn beim Lesen der vorläufigen Bühnenfassung für die Festspiele hat Schad eine geistige Frische bemerkt, die den Leser betreten schweigen lasse. „Dieser Lessing liest uns allen die Leviten, was feste Denkgewohnheiten, Erwartungshaltungen und Intoleranzen angeht“, sagt Schad und fügt an, dass das leicht verstaubte Image, das diesem Klassiker der Schulliteratur anhafte, dem Stück „bitter unrecht“ tue.

Freytag nicht vorgreifen

Was Holk Freytag konkret auf die Bühne der Stiftsruine bringen wird, dem möchte sein Hauptdarsteller nicht vorgreifen. Doch dass der Hersfelder Nathan „für unsere Gegenwart relevant“ sein wird, davon ist er schon jetzt überzeugt. Und auch davon, dass das Publikum nicht nur genießen, sondern auch „intellektuell gefordert“ sein wird.

Dass auch er gefordert sein wird, dass weiß Schad spätestens seit einer Stippvisite in Bad Hersfeld, als er vor einigen Wochen die Stiftsruine besichtigte. „Man muss sich auf diesen Raum einstellen“, sagt er, „Das gehört zum Handwerk eines Schauspielers dazu.“ Angst vor den Dimensionen der Ruine hat er nicht, denn auch das Schauspielhaus in Hamburg verfügt über einen riesigen Saal mit 1300 Plätzen. „Ich habe die Mittel“, ist Schad von seinen Fähigkeiten überzeugt. Die Frage sei aber, „ob ich Lust dazu habe, das ganze Stück zu rufen.“ Aus künstlerischen Erwägungen würde er deshalb den Einsatz von Microports auch im Schauspiel nicht von vornherein ausschließen. Denn was im geschlossenen Haus als geflügeltes Wort „Don’t forget the balcony“ (sinngemäß: Denkt auch an die Zuschauer auf den Balkonen!) heißt, das lässt sich auf die Festspiele mit der Aufforderung übertragen, das Publikum jenseits von Reihe 15 nicht außer Acht zu lassen.

Probenbeginn im Mai

Bad Hersfeld und sein Theaterfestival sind Schad auch schon vor seinem Engagement ein Begriff gewesen. Und weil es für ihn terminlich jetzt gerade prima passt, wird er sich mit Probenbeginn im Mai auch auf die Stadt einlassen. Seine Wohnung jedenfalls, so weiß er, wird einen Blick über Stiftsruine und Stadtkirche haben.

Von Karl Schönholtz

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