DGB-Kreisverband fühlte Politikern vor der Landtagswahl auf den Zahn

Fragerunde im Stehen

Diskussion im Stehen: Der DGB-Geschäftsführer Nordhessen Michael Rudolph (vorne) befragte Pierre Brandenstein (CDU), Torsten Warnecke (SPD), Horst Zanger (Linke), Manfred Lister (FDP) und Kaya Kinkel (Grüne, von links). Die Politiker sollten sich nach Wohnort, Alter oder ihrem Standpunkt zu den von Rudolph eingebrachten Themen aufstellen. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Mindestlohn, Vergaberecht, die Klage gegen den Länderfinanzausgleich, aber auch Bekenntnisse wie „Ich wollte eigentlich nie so werden wie mein Vater“: Dass Podiumsdiskussionen nicht immer statisch und trocken sein müssen, bewies der DGB-Geschäftsführer Nordhessen Michael Rudolph am Montagabend in der Bad Hersfelder Stadthalle.

Dorthin hatte der Kreisverband Hersfeld-Rotenburg des Deutschen Gewerkschaftsbundes eingeladen, um den heimischen Kandidaten für den hessischen Landtag auf den Zahn zu fühlen. Torsten Warnecke (SPD), Kaya Kinkel (Grüne) und Horst Zanger (Die Linke) sowie Pierre Brandenstein (CDU, in Vertretung von Andreas Rey) und Manfred Lister (FDP, für Bernd Böhle) standen ihm Rede und Antwort.

„Kommt drauf an“ gilt nicht

Ein „kommt drauf an“ reichte Rudolph dabei selten, die gut 40 Zuhörer – zum Großteil DGB-Mitglieder – brachten sich mit mehr oder weniger ernst gemeinten Zwischenrufen, Applaus, Lachern und am Ende konkreten Fragen mit in die Diskussion ein.

Die Politiker hätten sich auch eigentlich gar nicht setzen brauchen, denn es ging gleich mit einigen amüsanten „Spielchen“ los. So sollten sich die Politiker zunächst ihren Wohnorten von West nach Ost und dann ihrem Alter nach auf einer imaginären Linie aufstellen. Dabei erfuhr das Publikum unter anderem, dass Horst Zanger in den 90er-Jahren in England gelebt, Torsten Warnecke mit 50 Jahren die Hälfte seiner geschätzten Lebenszeit erreicht und Kaya Kinkel mit 26 sehr wohl „Bock auf Politik“ hat.

Bewegung in die Sache kam, als es ans Inhaltliche ging. Schon bei der Einschätzung der These „Der Region geht es heute besser als vor zehn Jahren“ wurden die unterschiedlichen Positionen deutlich. Während FDP-Bundestagskandidat Manfred Lister die Stimme-zu-Seite wählte, weil sich die Region in Sachen Arbeitsplätze gut entwickelt habe, stand Linken-Vertreter Horst Zanger am entgegengesetzten Ende. Er verwies auf die vielen Niedriglohnjobs. Allein auf weiter Flur fand sich Lister beim Thema freie versus soziale Marktwirtschaft wieder, auch gegen einen flächendeckenden Mindestlohn sprach er sich in dieser Deutlichkeit allein aus.

Rudolph gefiel die Fragerunde im Stehen so gut, dass die komplette Veranstaltung kurzerhand vor statt hinter den Tischen stattfand. Gut anderthalb Stunden legten die Politiker ihre Standpunkte rund um Arbeit und Soziales, aber auch die Frage nach der Zusammensetzung und den Aufgaben der Landesregierung blieb nicht aus. Gegen Rot-Rot-Grün verwahrten sich sowohl Kinkel als auch Warnecke.

Auf einer Linie bewegten sich die Vertreter der verschiedenen Parteien schließlich am Ende wieder: Sie alle sprachen sich für ein neues Hessisches Personalvertretungsgesetz aus, das die Personalräte im öffentlichen Dienst wieder stärken soll.

Von Nadine Maaz

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