Fragen und viel Unbehagen

Kai A. Struthoff

Hoher Besuch wird heute in unserer waldhessischen Provinz erwartet. Die gesamte Landesregierung, angeführt von Ministerpräsident Volker Bouffier und seinem Stellvertreter Jörg-Uwe Hahn, macht sich auf den langen Treck aus Wiesbaden, um im Landratsamt zu einer Kabinettssitzung zusammenzukommen. Das ist ein feiner Zug von unseren Regierenden und wird von den kommunalwahlkämpfenden Parteifreunden sicher auch gern gesehen.

Als die Sitzung angesetzt wurde, konnte freilich noch keiner wissen, dass die Regierung an einem Tatort tagen würde. Eine Woche ist es jetzt her, dass dreiste Diebe ins Landratsamt eingebrochen sind und zehn Computerserver geklaut haben. Und der Fall wirft immer noch jede Menge Fragen auf. Das merken wir auch an den Reaktionen unserer Leser.

Laut Landratsamt soll es angeblich derzeit viele ähnliche Fälle von Computer-Klau geben. Gegenüber unserer Zeitung erklärte die Polizei allerdings, dass solche Diebstähle in diesem Ausmaß und in dieser Tatweise in Hessen äußerst selten seien. Denn warum wird gerade ins Landratsamt eingebrochen, wo doch in jeder x-beliebigen Firma jede Menge Rechner stehen? Ist das Landratsamt womöglich ein besonders leichtes Ziel für Langfinger? Oder kannte sich der Täter dort aus, wie ja auch spekuliert wird?

Hinzu kommt die Frage nach den gestohlenen Daten. Der Landesdatenschützer beruhigt zwar und sieht keine Missbrauchsgefahr, dennoch möchten wir Bürger schon gern wissen, welche unserer Daten jetzt möglicherweise aus den virtuellen Marktplätzen des globalen Dorfes verscherbelt werden. In Leserbriefen wurde am Wochenende zum Beispiel die Frage nach sensiblen Angaben zu Waffen- und Waffenscheinen problematisiert. Sind auch sie betroffen?

So kryptisch wie uns Laien das Verschlüsselungssystem auch erscheinen mag – Hacker hacken alles, machen wir uns doch nichts vor.

Es bleiben viele Fragen – und vor allem bleibt Unbehagen!

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