Literaturgottesdienst thematisiert das Buch „Angerichtet“ von Herman Koch

Fragen ohne Antwort

Haben den Literaturgottesdienst auf die Beine gestellt: Imke Leipold, Herbert Janßen (hinten stehend), Axel Saure, Stefanie Landau, Wolfgang Landau, Anke Hofmann (vorne, von links) Foto: Privat

Wippershain. Die große Menschheitsfrage nach Gut und Böse, nach bedingungsloser Liebe, nach Schuld und Unschuld stand im Zentrum des Literaturgottesdienstes dessen Thema dieses Mal das Buch „Angerichtet“ des Niederländers Herman Koch bildete.

Das Buch, das in diesem Jahr für die Aktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ ausgewählt wurde, beschreibt in kammerspielartiger Form ein echtes Psychodrama, bei der keine der handelnden Personen so ist, wie sie anfangs erscheint.

Paare im Restaurant

Zwei Paare treffen sich zu einem Restaurantbesuch und erst im Lauf des Abends wird deutlich, dass das Treffen, das mit Small Talk beginnt, keineswegs so harmlos ist, wie es zunächst scheint. Das eigentliche Gesprächsthema, der Gewaltexzess, den ihre beiden Söhne an einer Obdachlosen begangen haben, kommt erst nach und nach auf den Tisch.

Die spannungsvolle Atmosphäre der Situation war von Beginn an fast mit den Händen zu greifen. Bei Ziegenkäse vom Biohof mit angeschlossenem Streichelzoo, mit Rosmarin bekränzten Oliven und Brombeerparfait wollte unter den Protagonisten Claire (Anke Hofmann), Paul (Axel Saure), Babette (Stefanie Landau) und Serge (Wolfgang Landau) keine entspannte Stimmung aufkommen.

Dass die Atmosphäre eher an einen Kühlschrank erinnerte, wurde durch die demonstrative Herablassung des seine Macht schamlos ausnutzenden Kellners (Herbert Janßen) noch unterstrichen. Es war nicht nicht nur eine einfache Lesung, die den Besuchern im mehr als gut gefüllten Wippershainer Gemeindehaus bei diesem Literaturgottesdienst geboten wurde, sondern eine gelungene szenische Umsetzung, die beklemmend wirkte, aber dennoch am Ende die wesentlichen Fragen offen ließ.

Thematik aufgegriffen

Was ist das Gute? Diese Frage griff auch Pfarrerin Imke Leipold in ihrer Predigt auf, in der sie daran erinnerte, dass auch die Geschichte des Menschen in der Bibel mit Mord und Verrat beginne. „Mensch, was hast Du angerichtet?“, mit dieser Frage beantwortet Gott die Anmaßung des Menschen, der sich das Recht nimmt, sich als autonomes Wesen gegenüber Gott zu begreifen. Die Antwort auf diese Frage fehlt allerdings bereits in den ersten Kapiteln der Bibel, nach dem Mord Kains an seinem Bruder Abel.

Leipold wies darauf hin, dass Gott den Menschen zwar strafe (unter Anderem durch Sterblichkeit) aber dass er die Menschheit dennoch nicht töten wolle.

Im Gegenteil: Er behütet sie, indem er ihnen nach seiner eigenen „Gewalttat“, der Sintflut, den Regenbogen als Hoffnungszeichen sende.

Viele Fragen aufgeworfen

Am Ende stand für Mitwirkende und Besucher die nicht ohne Beklemmung wahrgenommene Erkenntnis, dass Kochs Buch viele Fragen aufwirft, diese aber am Ende nicht eindeutig beantwortet, sondern dem Leser viel Stoff zum Nachdenken übrig lässt.

von Ute Janßen

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