Die Musikerin Johanna Zeul gastierte mit ihrem Programm in der Martinskirche

Fräuleinwunder des Pop

Mit überzeugenden Melodien und den klugen Texten ihrer Lieder nutze sie die Bühne der Bad Hersfelder Martinskirche, um dem Publikum einen tollen Konzertabend zu bieten: Die Musikerin Johanna Zeul aus Berlin. Foto: Poppe

Bad Hersfeld. „Diese Musik wird sich in ihre Ohren und Herzen graben“, kündigte Pfarrer Karl-Heinz Barthelmes das Konzert von Johanna Zeul in der Bad Hersfelder Martinskirche an. „Na das wollen wir mal sehen!“, kommentierte die 29-Jährige diese Prophezeiung als sie mit ihrer Gitarre auf die Bühne stieg.

Intelligente Texte

Konnte man die Aussage angesichts der wenigen Gäste zunächst noch als Skepsis deuten, wurde spätestens nach dem ersten Lied klar, dass Johanna Zeul sie als Versprechen meinte. Ihr Konzert überzeugte von Anfang an durch intelligente deutsche Texte und rockiges Gitarrenspiel, das durch gefühlvolle Balladen ergänzt wurde.

Zum Auftakt des Abends bot sie überwiegend provokante Stücke ihres ersten Albums aus dem Jahr 2008 dar. Sie handelten von Beziehungskisten, Affären, One-Night-Stands und dem Verlassenwerden.

Trotz dieser emotionalen Themen wurde die Darbietung nie kitschig oder übertrieben. Die Lieder der zweiten Hälfte des Abends, die sie gerade für ihre neue Platte im Studio aufnimmt, wirkten im Vergleich zu ihren älteren Songs erwachsener und politischer. Die Musikerin geißelte darin die Konsumabhängigkeit und Informationssucht ihrer Generation.

Die Musikwelt feiert die Absolventin der Mannheimer Popakademie bereits als eine der vielversprechendsten Künstlerinnen der letzten Jahre. Sie ist so etwas wie ein Fräuleinwunder der deutschsprachigen Musik - nur ohne das Fräulein.

Experimentierkirche

„Lahmarschiges hatten wir doch genug in der letzten Zeit“, hebt Karl-Heinz Barthelmes zu Recht die Musik seines Gastes aus der zum Teil langweiligen und braven Einheitsmasse des deutschen Pop hervor. Der Pfarrer möchte sein Gotteshaus als Experimentierkirche verstanden wissen und Johanna Zeuls Konzert passte hervorragend zu diesem Selbstverständnis.

Denn die junge Musikerin, die in Berlin wohnt, stand nicht nur auf der Bühne, sie nutzte sie: Sie knirschte mit den Zähnen, nahm das Mikrofon in den Mund, machte schmatzende bis stöhnende Geräusche und bewegte sich wie ein Roboter durch den Raum. Sie nahm ihre Gitarre in den Arm, streichelte und schlug sie oder klopfte mit den Fingerspitzen auf dem Holz als sei es eine Trommel.

Johanna Zeul, die schon seit 1996 Konzerte gibt, wird in der deutschsprachigen Musikszene sicher noch bekannter werden und wenn sie dann wieder nach Bad Hersfeld kommt, wünscht man ihr eigentlich mehr Zuschauer und -hörer. Doch am Ende dieses Konzert-Abends war klar, dass sie weder ein großes Publikum noch eine Band benötigt, um zu überzeugen. Alles was sie braucht, ist eine Bühne, um mit ihrer Musik in Herzen und Köpfen zu bleiben.

Von Stefanie Poppe

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