Der Tenor Herbert Wüscher steht in Bad Hersfeld in der Oper Carmen auf der Bühne

Der fränkische Don José

Ob auf der Straße oder auf großen Opernbühnen: Für Herbert Wüscher ist das Singen nicht nur ein Beruf, sondern auch privat seine größte Leidenschaft. In Bad Hersfeld gibt er den Don José in „Carmen“. Foto: Teufel

Bad Hersfeld. Bei Tenor Herbert Wüscher dreht sich beruflich wie privat alles um den Gesang. Schon als 13-Jähriger wollte er Sänger werden. Doch in dem kleinen 600-Seelen-Dorf in der Nähe von Schweinfurt, in dem er aufwuchs, war das schon eine Besonderheit. „Da wird man nicht Opernsänger“, erzählt der stattliche Mann mit Blick auf seinen Heimatort lachend. Trotzdem ging er seinen Weg, besuchte die Berufsfachschule und schloss 1996 seine Gesangsausbildung ab.

Doch nach zwei festen Engagements und mehreren Aushilfsstellen zog sich Wüscher eine Fußverletzung zu und musste kommende Engagements absagen. Während der Krankheit verlor er viele seiner Kontakte in der Branche und zu seinen Agenten.

Vom Notwendigen zu Passion

Über einen Gesangsschüler kam er zu der Idee, auf die Straße zu gehen und dort zu singen. „Es gibt viele Menschen, die noch nie etwas von Oper gehört haben“, erklärt Wüscher. Darum habe sich aus den Auftritten in der Mainzer und Frankfurter Fußgängerzone eine Passion entwickelt. Ihm ist es wichtig, die Oper wieder an die Menschen heranzubringen – auch wenn das Singen auf der Straße immer etwas Überwindung koste.

Die Opernbühne, auf die der Sänger nun zurückgekehrt ist, hat für ihn jedoch einen ganz anderen Reiz. Zunächst sei die Arbeit auf der dort immer wieder etwas Neues. Mit jedem Stück, auch schon nach einem Urlaub, sei es eine neue Herausforderung, auf die Bühne zurückzukehren. Jedes Stück habe schließlich eine andere Energie. Wüscher findet es zudem toll, dass in der Oper einfach alles zusammenkommt – das Schauspiel, die Musik sowie die Kulisse.

Es reizt ihn, einen Menschen so zu verkörpern, wie er ihn sich vorstellt. Bei seiner Interpretation des Don José in der Bizet-Oper „Carmen“ in Bad Hersfeld mag Wüscher die Herausforderung, einen Menschen darzustellen, der aus Verzweiflung nicht mehr auf den rechten Weg zurückfindet. Don José sieht er als Menschen, der mit Freiheit nicht umgehen kann. „Er möchte Freiheit, aber er kann aus seinen alten Verhaltensweisen nicht raus“, beschreibt er seine Rolle und fährt fort: Verlieben hat ja immer auch etwas mit verlieren zu tun.“ Und Don José habe sich in Carmen verloren.

Stiftsruine übertrifft alles

Die Zusammenarbeit mit Bühnenpartnerin Barbara Buffy (Carmen) habe ihm sehr viel Spaß gemacht, aber auch mit dem Rest des Teams habe er eine gute Zeit verbracht. Auch die Kulisse in der Stiftsruine schätzt er sehr. Er kenne Naturbühnen, aber die Ruine in Bad Hersfeld übertreffe alles.

Bei so einer großen Passion für die Oper ist es verständlich, dass Wüscher sich wünscht, wieder ein breiteres Publikum für dieses Genre zu begeistern. Aus seinen Erfahrungen als Sänger auf der Straße weiß er, dass es entgegen der gängigen Erwartungen vor allem Kinder sind, die sich für den klassischen Gesang begeistern. Wenn er auf der Straße singe, seien es als erstes Kinder, die begeistert stehenbleiben und tanzen.

Man müsse daher den „Mc Donald’s-Effekt“, wie Herbert Wüscher es nennt, anwenden. Das heißt, dass es kindgerechte Inszenierungen geben sollte und das Theater und die Oper mehr nach draußen getragen werden müssten. Über die Kinder kämen dann auch wieder mehr Erwachsene in die Oper, glaubt er.

Von Sabrina Ilona Teufel

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