Montagsinterview: Helmut Heiderich für schärfere Vorgaben bei der Erdgassuche

Fracking nur sauber

Umstrittene Methode: Ein Bohrmeister führt im norddeutschen Lünne ein Bohrgestänge vor, das für die Erdgassuche per Fracking genutzt wird. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Die Erdgasförderung mit der Fracking-Methode, bei der Wasser, Sand und Chemikalien in tiefes Schiefergestein gepumpt werden, um Gas herauszulösen, ist umstritten. Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich will Fracking nicht grundsätzlich verbieten, fordert aber strengere Auflagen.

Herr Heiderich, die Kritik an Fracking wächst, die Furcht vor den Umweltrisiken ist groß. Warum sind Sie für die unkonventionelle Suche nach Erdgas?

Helmut Heiderich: Viele wissen nicht, dass Fracking in Deutschland bisher recht einfach möglich ist. So wurden in den vergangenen zehn Jahren bereits etwa 100 Fracks in unserem Land zugelassen. Ein knappes Drittel der deutschen Erdgasproduktion heute stammt schon aus Fracking-Bohrungen. Wir wollen für solche Genehmigungen jetzt aber deutlich strengere Regelungen durchsetzen.

Die Kritiker sitzen auch in ihrer eigenen Partei. Die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich hat vergangene Woche alle Fracking-Bohrungen in Nordhessen bis auf Weiteres gestoppt. Was sagen Sie dazu?

Heiderich: Ich teile Frau Puttrichs Einschätzung. Da wir Fracking in Wasserschutzgebieten auf keinen Fall zulassen werden, bleibt in unserer nordhessischen Gegend nur ein so kleines Fördergebiet übrig, dass sich das Vorhaben vermutlich nicht lohnen wird.

Sie gehören einer Gruppe von Unionsabgeordneten an, die Fracking kritisch sehen, aber es nicht vollständig verbieten wollen. Was sind Ihre Forderungen?

Heiderich: Wir haben Umweltminister Altmaier und Wirtschaftsminister Rösler gebeten, den Gesetzentwurf für neue Fracking-Verfahren deutlich zu verschärfen. Wir fordern, dass alle Anträge künftig einer Umweltverträglichkeitsprüfung durch die Wasserbehörden unterzogen werden. Bislang werden sie lediglich nach Bergrecht genehmigt. Außerdem verlangen wir, dass nur noch Stoffe eingesetzt werden dürfen, die nicht wassergefährdend sind.

Das würde bedeuten, dass der bisherige Chemikaliencocktail verboten ist. Wie soll Fracking dann funktionieren?

Heiderich: Es gibt Versuche, die Chemikalien durch Stoffe auf pflanzlicher Basis zu ersetzen. Ich habe mit mehreren Firmen gesprochen, darunter Wintershall, die erklärt haben, dass sauberes Fracking möglich ist. Es dauert aber vermutlich noch einige Jahre, bis es soweit ist.

Was geschieht in der Zwischenzeit?

Heiderich: Bis dahin sollen keine Genehmigungen mehr erteilt werden. Das ist auch kein Problem, denn die Gasvorräte in der Tiefe gehen ja nicht verloren.

Es gibt noch andere Bedenken gegen Fracking, etwa wegen der Erdbebengefahr und der Stoffe, die damit zu Tage gefördert werden.

Heiderich: Natürlich muss das zusätzlich bei der Genehmigung überprüft werden. Was aus der Tiefe nach oben kommt, muss kontrolliert und aufgearbeitet werden. Mit unserem Vorschlag wollen wir das nun erstmals verbindlich regeln. Gleiches gilt für die Verpressung von Rückständen unter Tage.

Warum verzichten wir nicht ganz auf eine so unsichere Technik?

Heiderich: Fracking könnte uns einerseits helfen, unsere Rohstoffpreise zu senken. In den USA ist der Erdgaspreis in zwei Jahren von zwölf auf drei Dollar gefallen. Dies hat dort zu einem industriellen Investitionsboom geführt. Aber es geht auch um etwas Grundsätzliches: Wir wollen Strom ohne Kernenergie produzieren und grüne Technik exportieren. Dann sollten wir auch den Anspruch haben, Fracking ohne gefährliche Zusatzstoffe hinzukriegen und diese Technik weltweit exportieren.

Wird das Gesetz noch vor der Bundestagswahl fertig?

Heiderich: Das ist unser Ziel, auch wenn die Zeit dafür sehr knapp ist. Sonst könnten die Konzerne das bisherige einfache Genehmigungsverfahren nutzen, um sich noch schnell neue Claims zu sichern.

Von Marcus Janz

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