Kreistag debattiert über Energie-Themen: Klare Absage an umstrittene Erdgaserkundung

Fracking? – Nein, danke!

In den USA ist Fracking eine verbreitete Methode, um Erdgasvorkommen zu erschließen. Unser Foto entstand im Morgengrauen bei einer Probebohrstelle in Troy im US-Staat Pennsylvania. Foto: dpa

Hersfeld-Rotenburg. Energiegeladen – so zeigte sich der Kreistag auf seiner jüngsten Sitzung am vergangenen Montag. Grund dafür waren gleich mehrere Anträge der Grünen, die sich mit energetischen Themen beschäftigten. So regte die Grünen-Abgeordnete Kaya Kinkel an, Gebäudenutzer finanziell an Energieeinsparungen zu beteiligen. Ähnliche Modelle gebe es bereits in anderen Kommunen. Da speziell in den Schulen viel Energie verbraucht werde, könnte damit das Engagement von jungen Leuten gefördert werden, schlug sie vor.

Landrat sieht Probleme

Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt versichert Kinkel, „vom Ansatz her bin ich bei Ihnen“. Allerdings wies er auf technische Probleme bei der Vergleichbarkeit und Messbarkeit der Verbräuche hin. Für die CDU-Fraktion erklärte Gerald Koinzer, das Wetter sei zu vielschichtig, um es zu erfassen. Engagierte Lehrer und Schüler bräuchten zudem derartige Anreize nicht. Dennoch wurde der Grünen-Antrag gegen die Stimmen der CDU angenommen.

Einstimmig angenommen wurde der Antrag der Grünen, deutlichere Vorgaben zu machen, um das Ziel zu erreichen, den Kreis bis 2020 zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien zu versorgen. „Es fehlen klare Aufträge, der Kreis nutzt vorhandenen Initiativen zu wenig“, monierte Kaya Kinkel.

Sie beschrieb die Folgen des Klimawandels, die etwa in Bangladesch bereits sehr spürbar sind. Das brachte ihr aus den Reihen der CDU-Fraktion den Zwischenruf: „Was hat das mit uns zu tun?“ ein. Sachlicher argumentierte für die CDU Walter Glänzer, Bürgermeister von Neuenstein. Er verwies auf die Erfolge des Kreises bei der Nutzung von alternativen Energien – wie etwa die Solartechnologie made in Alheim. „Einsicht ist besser als finanzielle Anreize“, sagte er.

Einig zeigte sich der Kreistag beim dritten großen Energiethema: Der Erdgaserkundung nach der so genannten Fracking-Methode. Umweltministerin Lucia Puttrich hatte diesem Verfahren für das Land Hessen bereits eine Absage erteilt. Dies wurde begrüßt, trotzdem wünschte sich der Grüne Christian Eimer eine breitere Mehrheit im Land für diese Entscheidung. Er referierte ausführlich über die Risiken dieser Technik, die zu wenig untersucht worden sei.

Restrisiken bleiben

Das unterstrich auch der FWG-Abgeordnete Dr. Kurt Schreiner. „Restrisiken sind nicht auszuschließen, deshalb sollte Fracking generell verboten werden.“ Der FDP-Abgeordnete Jochen Paulus sah das anders: Energie müsse bezahlbar bleiben, deshalb dürften alternative Methoden nicht von vornherein abgelehnt werden. Man brauche deshalb zunächst mehr Informationen.

SPD-Fraktionschef Manfred Fehr wies darauf hin, dass die Entscheidung über das Fracking nach dem Bergrecht gefällt werde, so dass die Kommunen kaum beteiligt seien.

Der Kreistag verständigte sich dann einstimmig auf einen gemeinsamen Antrag, der Fracking im Landkreis Hersfeld-Rotenburg eine klare Absage erteilt.

Von Kai A. Struthoff

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