Siegfried Heinrich leitete Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in der Stadthalle

Forderndes Gipfelwerk

Eine Ehrfurcht erregende Messvertonung: Der Arbeitskreis für Musik hatte zur Aufführung der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach unter Leitung von Siegfried Heinrich in die Bad Hersfelder Stadthalle geladen. Fotos: Alf Rothe (AfM)/nh

BAD HERSFELD. Von einem tönenden Monument ließen sich am Samstag 300 Zuhörer bewegen: Der Arbeitskreis für Musik hatte zu einer Aufführung der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach (1685-1750) geladen. Eine Ehrfurcht erregende Messvertonung war in der Stadthalle zu hören: die Summe von Bachs Vokalschaffen, die in einem spannend anmutenden Kompositionsprozess entstanden war.

Schmerzliches Bassmotiv

Bach hat darin vielfach früher geschriebene Kompositionen neu bearbeitet, um deren Potential in einem Monumentalwerk zu entfalten. Beispielsweise geht der ergreifende „Crucifixus“-Chor mit seinem schmerzlich wiederholten Bassmotiv auf einen Kantatensatz zurück, den Bach 45 Jahre vor dem neu komponierten „Et incarnatus“ geschaffen hat. Man kann den Überblick des Meisters über sein Gesamtwerk nur bewundern.

Doch ebenso spannend wie ihre verschlungene Entstehung ist die Geschichte der h-Moll-Messe. Im frühen 19. Jahrhundert hatte sie sogar den Ruf „des größten musikalischen Kunstwerks aller Zeiten und Völker“, wie Hans Georg Nägeli, der Verleger des Erstdrucks, überschwänglich formulierte. Dennoch war sie damals selten zu hören. Als Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahr 1838 eine Teilaufführung plante, nahm er bald Abstand von diesem Vorhaben. Die Chöre seien nämlich „furchtbar schwer“.

So gesehen war es umso bemerkenswerter, was sich in der Stadthalle ereignete. Unter der Leitung von Prof. Siegfried Heinrich gelang eine alles in allem überzeugende Wiedergabe des fordernden Gipfelwerks. Heinrich führte mit viel Einsatz durch die kunstvolle Mehrstimmigkeit und die wechselnden Tempi. Und er nahm die jubelnden Passagen mit Verve.

Engagiertes Singen

Riesig, mehr als hundertstimmig war das Sängerkollektiv, gebildet aus dem Hersfelder Festspielchor sowie dem Frankfurter und dem Marburger Konzertchor. Am meisten beeindruckte, dass die schnellen, triumphalen Teile der Messe agil und wendig bewältigt wurden. Ein engagiertes Singen, eine schöne Leistung.

Nun hat Bach in seiner h-Moll-Messe einen farbenreichen Part für die auch solistisch gefragten Instrumentalisten vorgesehen - von der Solovioline über Flöte, Oboe und Horn bis hin zum Glanz der Trompeten. Zu hören war das Orchester Virtuosi Brunenses, bekannt von den Opernaufführungen in der Stiftsruine. Die Musiker aus Brünn spielten keine barocken Originalinstrumente, was einen mehr weichen Klang ergab.

Stilles Ende

Unter den Gesangssolisten waren bei dem Tenor Edilberto Regalado Ordónez größere Abstriche zu bemerken. Julie Grutzka steuerte hingegen einen vielversprechenden, leuchtenden Sopran bei. Anna Retczak war eine versierte, herbklare Altistin, Xiao-Feng Cai ein profunder Bass.

Auf Beifall nach dem Hörererlebnis wurde bewusst verzichtet, still ging der Abend zu Ende. Die Aufführung war dem Gedenken an den im Oktober gestorbenen Egon Wenisch gewidmet, ein langjähriges Mitglied des Arbeitskreises für Musik.

Von Georg Pepl

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