Windkraftplanung: Amtliche Naturschützer in der Defensive, ehrenamtliche überfordert

Folgen für Mensch und Tier

Die Solzer „Siedlung“: Die Windmühlen sind hier teils weniger als 500 Meter von den Häusern entfernt. Sie sind nur 80 Meter hoch. Heutige Windräder sind bis zu 200 Meter hoch und es muss der 1000-Meter-Abstand eingehalten werden. Foto:  Vera Walger

Hersfeld-Rotenburg. Mensch und Tier werden bei den Windkraft-Planungen, die in fast allen Gemeinden des Kreises zurzeit laufen, nicht ausreichend berücksichtigt, bemängeln die Naturschützer. Obwohl der Energiegipfel eine Zusammenarbeit der Kommunen angeregt habe, betreibe im Raum Bad Hersfeld jede Kommune eigene Pläne, und Hessen Forst forciere den Standort Herfa/Waltersberg, sagt der Hersfelder Nabu-Vorsitzende Heinrich Eigenbrod. Ohne kreisübergreifende Abstimmung gehe es in Eiterfeld, Sontra-Heyerode und Waldkappel-Stölzing weiter.

Mit der Öffnung des Waldes setze das Land Hessen indirekt seine Bediensteten unter Erfolgsdruck. Karl-Heinz Schmerfeld vom Nabu Solz: „30 000 Euro Pacht pro Jahr und Anlage sind Totschlagsargumente. Da werden auch schon mal Artenschutzmaßnahmen revidiert oder zugehängt.“

Mit den Plänen am Standort Wehneberg im Wald bei Bad Hersfeld, einem auch in der Höhenlage noch relativ windschwachen Gebiet, das die Kulisse für die Stiftsruine bildet und eigentlich Naherholungswald für die Stadt werden sollte, sei ohne Not eine Bastion gebrochen worden, sind sich die ehrenamtlichen Naturschützer einig. Der amtliche Naturschutz sei in der Defensive, und nun baue man darauf, dass auch das Häuflein ehrenamtlicher Naturschützer resigniere.

Prophezeit wird, dass die Höhe der Windräder von derzeit insgesamt 200 Metern nicht das letze Wort ist. Dieter Gothe vom Nabu Solz spricht von möglichen 300 Meter hohen Windrädern im Jahr 2025. In den USA arbeite man auf solche Anlagen schon hin. Wo einmal Windräder stünden, könnten später ohne große Probleme weitere Anlagen entstehen.

Unabhängige Gutachter fehlen

Misstrauisch sind die Naturschützer bei den für eine Genehmigung von Windrädern erforderlichen avifaunistischen (vogelkundlichen) Gutachten, die etwa in Abrede stellten, dass der Rotmilan in erheblicher Zahl vorkomme. Es fehlten unabhängige Gutachter. „Wir vom ehrenamtlichen Naturschutz sollen das dann widerlegen“, sagt Arno Werner, der Arbeitskreisleiter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, der im gesamten Kreis zuständig ist.

In den Fuldaseitentälern zum Beispiel findet sich überall der Rotmilan. Und nicht nur der. Auch Schwarzstorch und Uhu sind hier zu Hause. Fledermäuse sind besonders zahlreich im ehemaligen Bergbaugebiet Richelsdorfer Gebirge.

„Die Interessen des Naturschutzes drohen zu verkommen“, warnt Gothe.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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