HZ-Montagsinterview mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann über die Festspiele

Förderung fest vorgesehen

Bad Hersfeld. Er war der Retter in der Not: Kulturstaatsminister Bernd Neumann hatte sich spontan bereiterklärt, die Schirmherrschaft der Bad Hersfelder Festspiele zu übernehmen, nachdem der nun zurückgetretene Bundespräsident Horst Köhler sein Schirmherrenamt niedergelegt hatte.

Kai A. Struthoff und Karl Schönholtz hatten jetzt Gelegenheit, Bernd Neumann zu interviewen.

Herr Staatsminister Neumann, ist Bad Hersfeld für Sie eine kulturelle Veranstaltung unter vielen, oder gehören unsere Festspiele wie Ihr Heimatverein Werder Bremen zur Spitzengruppe der Liga?

Bernd Neumann: Seit 1951 werden die Bad Hersfelder Festspiele vom Bund gefördert. Die Festspiele gehören zu den bedeutendsten deutschen Freilichttheatern und ziehen in jedem Jahr eine große Zuschauerzahl aus dem gesamten Bundesgebiet an. Angesichts dessen sind die Festspiele mit Sicherheit keine Veranstaltung unter vielen. Eine besondere Qualität ist dabei immer auch die Voraussetzung für eine Förderung des Bundes. Denn die Verantwortung für die generelle Kulturförderung liegt ja in unserem föderalistischen System bei den Ländern und Kommunen. Die Bundesebene kann nur in bestimmten Fällen unterstützend dazutreten. Mit dem Vergleich zur Bundesliga-Tabelle bin ich bei der Kultur immer zurückhaltend: Die Vielfalt künstlerischer Leistungen lässt sich – zum Glück – nicht so leicht messen wie der Erfolg im Fußball.

Was haben Sie mit Bad Hersfeld verbunden, bevor Ihnen die Schirmherrschaft angetragen wurde?

Neumann: Als ich das Amt des Kulturstaatsministers übernahm, habe ich mich selbstverständlich über die Förderungen meines Hauses informiert. Dabei wurde mir deutlich, dass die Bad Hersfelder Festspiele über eine beeindruckende Tradition und zudem mit der Stiftsruine über eine äußerst reizvolle Spielstätte verfügen. Vor dem Hintergrund der historisch gewachsenen kulturpolitischen Bedeutung habe ich die Schirmherrschaft über die 60. Festspiele sehr gerne übernommen.

Was müssen Festspiele wie die in Bad Hersfeld Ihrer Ansicht nach leisten, um sich im immer größeren kulturellen Angebot behaupten zu können?

Neumann: Ich maße mir nicht an, das im Einzelnen von außen beurteilen zu können. Allgemein gesprochen kommt es sicherlich darauf an, das spezifische Profil, welches in Bad Hersfeld zweifellos ausgeprägt ist, mit der Offenheit für neue Zuschauergruppen und nachwachsende Generationen zu verbinden. In diesem Zusammenhang fiel mir das Familientheaterstück „Die Brüder Löwenherz“ positiv auf, das sich in diesem Jahr als Gemeinschaftsproduktion mit dem Berliner „Theater an der Parkaue“ auf dem Spielplan findet. Auch das europäische Begegnungsprogramm EUROPOLIS 2050 kann hier ein Stichwort sein.

Inzwischen wird an vielen Orten Freilufttheater gespielt - gibt es womöglich zu viele Veranstaltungen dieser Art?

Neumann: Kultur findet nicht nur in den Metropolen statt. Generell begrüße ich es, wenn an vielen Orten Freilufttheater präsentiert wird. Zum Freilufttheater finden ja auch Zuschauer, die vielleicht ein Stadttheater eher nicht besuchen würden. Insofern hat es unter dem Gesichtspunkt der kulturellen Vermittlung und der Erschließung neuer Publikumsschichten eine wichtige Funktion. Das Profil der Bad Hersfelder Festspiele hat sich in der Vergangenheit bewährt – insofern sind hier gute Voraussetzungen gegeben, um auch in der Konkurrenz der Angebote zu bestehen.

Überall soll gespart werden. Wie kann das bei der Kultur funktionieren, ohne dass die Qualität leidet?

Neumann: Ich betone immer wieder, dass Ausgaben für die Kultur nicht als Subvention, sondern als Investition in die Zukunft betrachtet werden müssen. Mit Einschnitten bei der Kultur können keine Haushalte saniert werden. Die geringen Einsparsummen, die überhaupt möglich wären, stehen in keinem Verhältnis zu dem kulturellen Flurschaden, den man anrichten würde. Für diese Einsicht werde ich auch weiterhin intensiv werben.

Sie haben sich bislang immer sehr für die Förderung der Bad Hersfelder Festspiele durch den Bund eingesetzt. Dürfen wir auch in Zukunft mit dieser Unterstützung aus Berlin rechnen?

Neumann: In diesem Jahr unterstützt der Bund die Bad Hersfelder Festspiele mit 126 000 Euro. Die letzte Entscheidung über den künftigen Bundeshaushalt liegt natürlich immer beim Parlament. Die weitere Förderung der Bad Hersfelder Festspiele ist jedoch in der Finanzplanung meines Hauses fest vorgesehen.

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