Inklusion: Auch Zahl der Kinder mit Behinderungen nimmt an Regelschulen zu

Förderschulen wachsen

Erfolgreiches Zirkus-Projekt: An der Rotenburger Heinrich-Auel-Förderschule versucht man, das Selbstbewusstsein der Kinder auch außerhalb des Klassenzimmers zu stärken. Mit dem Zirkus Dobbelino trainierten sie am Ende des vergangenen Schuljahres auch Geschick und Teamfähigkeit. Archivfoto: Schäfer-Marg

Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner. Die Zahl der Kinder, die Förderschulen im Kreis Hersfeld-Rotenburg und im Werra-Meißner-Kreis besuchen, ist von 673 im Vorjahr auf 703 im neuen Schuljahr gestiegen. Das geht aus einer Statistik des Staatlichen Schulamts hervor.

Zugenommen hat auch die Zahl der Kinder, die an Regelschulen inklusiv beschult werden. Das heißt, Kinder mit und ohne Behinderungen werden gemeinsam unterrichtet. Deren Zahl ist in beiden Kreisen um 88 auf 279 in angestiegen. Inklusion findet in den Förderschwerpunkten Sprachheilförderung, Lernen, geistige Entwicklung, Hören und Sehen, emotionale-soziale Entwicklung sowie körperliche und motorische Entwicklung statt.

Die Unterrichtsabdeckung im Bereich der Förderschulen und der sonderpädagogischen Förderung im Zuge der Inklusion ist allerdings nicht so, wie sie sich die Verantwortlichen an den Schulen und im Schulamt wünschen. Sie liegt bei knapp 99 Prozent. Zum Vergleich: An Regelschulen liegt sie bei 103 Prozent. Grund ist, dass es zu wenige Förderschulpädagogen gibt. Die frisch examinierten Lehrer können sich ihre Arbeitsplätze weitgehend aussuchen und ziehen Ballungszentren dem ländlichen Raum vor.

Keine Überraschung

Dass die Förderschulen trotz des Inklusionsanspruchs in diesem Jahr wachsen, ist für Kristiane Menke, die Leiterin der Rotenburger Heinrich-Auel-Schule und des Beratungs- und Förderzentrums, keine Überraschung: „Viele Eltern wünschen, dass ihre Kinder unsere Schule besuchen. Sie finden, dass die Bedingungen an den allgemeinen Schulen nicht ausreichend sind für ihre Kinder. Außerdem wissen sie, dass die Kinder den gleichen Abschluss machen können wie an den allgemeinen Schulen“, sagt Menke.

Die zugewiesenen Stunden für Inklusion und vorbeugende Maßnahmen an den Regelschulen reichen nach Menkes Einschätzung nicht aus. An ihrer Schule wurden zum neuen Schuljahr 13 neue Kinder aufgenommen. Die Unterrichtssituation habe sich etwas entspannt, weil zwei neue Kolleginnen in Rotenburg arbeiten – beide allerdings nicht mit voller Stelle. Für die Leiterin der Hirschbergschule und des Beratungs- und Förderzentrums in Rommerode, Petra Voß, lässt sich durch den Anstieg der Schülerzahlen an Förderschulen noch kein Trend feststellen. Die Zahl der Schüler schwanke immer, erklärte sie. Im Werra-Meißner-Kreis gibt es zwölf Kinder mehr an Förderschulen.

Von Silke Schäfer-Marg

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