Hersfelder DRK-Delegation reist ins stark vom Hochwasser betroffene Fischbeck

Auf die Flut folgt Chaos

Das Wasser hat sich zurückgezogen: Fischbecks Bürgermeister Bodo Ladwig (links) zeigt Dr. Matthias Lotz (DRK Bad Hersfeld) die Deichbruchstelle. Die gesprengten Lastkähne sind mittlerweile zerlegt und abtransportiert worden. Eine Spundwand sichert den Deich.

Bad Hersfeld/Fischbeck. Auf dem Weg in die kleine Ortschaft am östlichen Rand der Elbe-Niederung in Sachsen-Anhalt passiert die vierköpfige Bad Hersfelder DRK-Delegation ein handbeschriebenes Transparent: „Fischbeck dankt allen Spendern“.

Dr. Matthias Lotz, Marc Winkler, Sarah Wolf und Sascha Steinberger können die schmale Straße problemlos befahren. Vor gerade einmal sieben Wochen stand hier noch alles meterhoch unter Wasser. Mit einer unvorstellbaren Kraft riss die Elbe alles mit sich: Bäume, Häuser, ganze Existenzen.

Schutt und Zerstörung

Heute türmen sich vor nahezu jedem Haus, das der Flut standgehalten hat, Schutthaufen, Geröll und lose Ziegel. Vor dem „Haus der Vereine“ wartet Bürgermeister Bodo Ladwig bereits auf den osthessischen Besuch. Der ehemalige Mittelpunkt des Dorfes ist nun ein Sammelpunkt für Sachspenden geworden.

Der 59-Jährige begrüßt jeden Gast mit Handschlag. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier los ist“, sagt er, während er entschlossenen Schrittes in das Gebäude geht. Ladwig wirkt matt, mitgenommen von den Anstrengungen der vergangenen Wochen. Trotzdem begrüßte er erst letzte Woche Bundeskanzlerin Angela Merkel, gab geduldig Auskunft, übernahm die Rolle des Fremdenführers. Auch Verkehrsminister Peter Ramsauer hat sich angekündigt. Das kleine Fischbeck ist plötzlich Schauplatz der Bundespolitik.

Ladwig, hauptberuflich Landwirt, ist ein pragmatischer Mensch. Getan wird, was notwendig ist. Zwischen gespendeten Waschmaschinen, Kleiderbergen und und aufeinandergestapelten Elektrogeräten hat er eine improvisierte Kaffeetafel aufgebaut. Geduldig erläutert er den Besuchern vom DRK, was mit dem Spendengeld passieren soll. Seine „rechte und linke Hand“ Kai-Uwe Manzke sitzt neben ihm. „Ohne ihn hätte ich schon längst den Überblick über alle Baustellen verloren.“ Manzke, selbstständiger Ladenbesitzer aus Brandenburg, koordiniert die Helfer wollte eigentlich nur für drei Tage nach Fischbeck kommen, um zu helfen. Geblieben ist er vier Wochen und schläft bis heute auf einem Sofa, in dem er „jede Feder einzeln spürt“.

Müde sei er, gibt Ladwig zu. Nach dem Ende seiner Amtszeit im Jahr 2017 will er nicht noch einmal als Bürgermeister kandidieren. Seit dem Jahr 2002 hat er das Amt inne. „Die große Hochwasserkatastrophe war meine erste Amtshandlung“.

Elf Jahre Jahre später hat er selbst alles verloren. Um den Wiederaufbau seines Hauses hat er sich noch nicht gekümmert: „Keine Zeit“.

Von Emily Spanel

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