Lieblingsorte: Bundestagskandidat Manfred Lister (FDP/Eschwege) genießt die Ruhe an der Werra

Am Fluss schließt sich der Kreis

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Manfred Lister (FDP) an seinem Lieblingsort: Dem Ruderer-Clubhaus am Werratalsee.

Eschwege. Manfred Lister wirkt etwas gehetzt, als er auf dem Balkon des Clubhauses der Eschweger Ruderer ankommt. Schon Minuten später ist er die Ruhe selbst. Der Blick über den Werratalsee zu den Meinharder Bergen im Norden oder in Richtung Westen, wo die Sonne tief steht und schon bald hinter dem Meißner verschwunden sein wird, hat etwas Entspannendes. Während die Ruderer auf der Werra ihre abendlichen Trainingsbahnen ziehen, wird deutlich: Hier ist die Welt noch in Ordnung. In dieser idyllischen Umgebung kann der Wahlkämpfer Lister abschalten.

Leben in Eschwege und arbeiten in Bad Hersfeld – für Lister bedeutet das zweimal am Tag eine Stunde Autofahrt. Da tut die Ruhe am Fluss gut. „Ich rudere auch gerne oder gehe mal joggen“, sagt er. Dass das zu kurz kommt, sei der knappen Freizeit nach Job und Politik geschuldet, „und der Bequemlichkeit“, wie er freimütig einräumt. Lister nennt sich selbst „einen bekennenden Weißbiertrinker“. Der Liberale mag die bayerische Lebensart und ist eingefleischter Fan des FC Bayern. Eine Mitgliedsnummer um die 5000 zeugt bei insgesamt mehr als 200 000 Mitgliedern von einer jahrzehntelangen Zugehörigkeit. Beim Champions-League-Finale im Mai in Wembley war Lister gemeinsam mit seinem Sohn live dabei.

Geselligkeit sei ihm wichtig, erzählt Lister. Er pflege seine Freundschaften und verbringe viel Zeit mit der Familie: „Am liebsten im Garten, aber manchmal treibt mich meine Frau auch zum Radfahren.“ Die Schlagd in Wanfried und dort die gleichnamige Hafenkneipe sei dann oft das Ziel - oder eben das Clubhaus des Rudervereins an der Werra.

Dort schließt sich dann auch der Kreis zur Politik. Sein Vater habe ihn vor dreißig Jahren bei der FDP angemeldet. Über gelegentliches Plakatekleben hinaus sei sein Engagement aber nie gegangen. Bis er von Ruderfreunden, die selbst in der Eschweger und der Kreis-FDP aktiv sind, zur Kandidatur für die Stadtverordnetenversammlung überredet wurde. Das war 2006. Lister wurde Stadtverordneter und Vorsitzender des Finanzausschusses, musste aber schnell erkennen, dass sich das nicht mit seinem zeitaufwändigen Job vereinbaren ließ. „Ich bin beruflich zu sehr eingespannt“, sagt er, „mit Kommunalpolitik lässt sich das oft nicht vereinbaren, mit Parteipolitik dagegen schon eher.“

Mit Bedauern legte Lister sein Abgeordnetenmandat in der Kreisstadt nieder und engagierte sich fortan in den Gremien seiner Partei. Er wolle sich der Verantwortung stellen, einmischen. „Man darf nicht nur am Biertisch diskutieren.“

Seinen Urlaub verbringt Lister vorzugsweise in Italien. Die Mentalität gefalle ihm, die Küche, der Wein, das Wetter - „aber nur für zwei Wochen, leben wollte ich dort nicht, dafür fehlt mir vor allem im Arbeitsleben das Preußische“, so der Mann, der auch von sich sagt: „Manchmal bin ich noch ein Kindskopf“, gerne Biografien liest - zuletzt die über Pep Guardiola, Westerwelle, Genscher und Schmidt als politische Vorbilder bezeichnet, Einheitsschule ablehnt, mehr Geld für Bildung fordert und sich musikalisch in den aktuellen Charts wohl fühlt.

Von Harald Sagawe

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