Hersfelder Unternehmen werben für Mikro-Kredite – Veranstaltung in der City Galerie

Fischen für die Armen

Gaeten Dary ist der lebende Beweis dafür, dass Mikro-Kredite aus der Armut helfen. Er selbst hat es geschafft und arbeitet jetzt für die Hilfsorganisation Opportunity International (OI). Das Foto zeigt ihn mit einer Kreditnehmerin auf dem Markt in Akkra in Ghana. Foto: OI

Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einmal satt, lehre ihn fischen, und er wird nie wieder hungern.

Bad Hersfeld. Angeln kosten Geld. Netze und Boote auch. Genau wie Saatgut und Hacken oder Nähmaschinen und Stoff. Für die Ärmsten der Armen ist es deshalb schier unmöglich, sich selbst aus ihrer hoffnungslosen Lage zu befreien – denn sie haben kein Geld. In der reichen Welt gehen wir dann meist zur Bank und beantragen einen Kredit. Doch wer nur einen Dollar pro Tag verdient, der ist nicht kreditwürdig.

Genau dort setzt das Konzept der Mikro-Kredite an, das durch den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus weltberühmt wurde. Mit Kleinstdarlehen von durchschnittlich 200 US-Dollar können Arme Maschinen, Geräte oder einen Marktstand kaufen und kleine Unternehmen gründen. Bettler werden so zu Arbeitgebern.

Die internationale Entwicklungshilfeorganisation Opportunity International setzt auf soziale Mikrofinanz. (siehe Hintergrund) „Banken als Wohltäter am Menschen?!“ lautet ihre provokante These. Denn gerade in Zeiten der globalen Finanzkrise gelten Banken nicht gerade als Wohltäter. Dennoch zeigt Opportunity International, warum Armut ohne Banken nicht zu besiegen ist“.

Die christlich orientierte Hilfsorganisation gründet deshalb sogar Banken für Menschen, denen sonst keiner einen Cent geben würde – in den 20 ärmsten Ländern der Welt in Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie haben rund 2,7 Millionen „Klienten“ – 85 Prozent davon sind Frauen. Alle Darlehen müssen aber in erschwinglichen Raten zurückgezahlt werden.

„Die Menschen müssen die Verantwortung spüren“, erklärt Wolfgang Bönsch von Opportunity International. Reine Spenden förderten nur die Abhängigkeit. Alle Gewinne aber bleiben im System, sodass nach und nach eine soziale Infrastruktur mit Schulen und Sozialeinrichtungen entsteht.

Hilfe aus Bad Hersfeld

Das Konzept der Mikrofinanz hat auch den Bad Hersfelder Geschäftsmann Martin Knauff (Mode-Centrum Sauer) überzeugt.

„Der Grundgedanke ist ähnlich wie einst bei den Stadtsparkassen und Raiffeisenbanken“, sagt er. Deshalb engagiert sich Knauff für Opportunity International. Unterstützt wird er von der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg und der Hersfelder Zeitung. Gemeinsam veranstalten sie am Montag, 24. September, ab 19.30 Uhr in der City-Galerie einen Informationsabend, bei dem über das Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe von Opportunity International informiert wird.

Hauptredner ist Gaeten Dary aus Ghana, der selbst mit Hilfe eines Mikrokredits vom einfachen Markthändler zum Loan-Officer, also Kreditgeber, geworden ist. Er wird von seinem Weg aus der Armut berichten. Ein Kurzfilm, Präsentationen, und eine Diskussionsrunde mit Martin Knauff und Sparkassen-Vorstandschef Reinhard Faulstich runden das Programm ab.

Sie wollen dabei weitere Spender für das Mikro-Finanzprogramm „an Land ziehen“.

Fischen für die Armen also. †  Eintrittskarten gibt es kostenlos bei der Hersfelder Zeitung, der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg, im Modecentrum Sauer und in den Läden der City Galerie.

Chinesisches Sprichwort Von Kai A. Struthoff

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