Simone Solga „Im Auftrag Ihrer Kanzlerin“ im ausverkauften Buchcafé

Die First Lady des Kabaretts

Mittendrin: Wer einen ruhigen Abend verleben möchte, ist bei Simone Solga an der falschen Adresse, ganz besonders in Reihe eins. Foto: Wiegand

Bad Hersfeld. Frauen sind rar in den Führungspositionen des Kabaretts, doch Simone Solga gehört zweifelsohne dazu: Hochdekoriert durch den Deutschen Kabarettpreis 2014 und den Salzburger Stier macht sie am Samstagabend bereits zum dritten Mal Station im vollbesetzen Veranstaltungsraum des Buchcafés.

Im schicken schwarzen Business- Outfit und auf hochhackigen Schuhen betritt sie die Bühne und startet sofort in einem atemberaubenden Redefluss mit der scharfzüngigen Analyse der deutschen Verhältnisse. Bereits seit 2005 bildet die Kanzlerin die gedankliche Klammer von Solgas Bühnenprogrammen.

Als Vermittlerin zwischen Politik aus dem Zentrum der Macht und den Bürgern draußen in der Provinz, sendet sie wahre Wortsalven wie aus dem Maschinengewehr, manchmal so schnell, dass die Zuhörer mit Lachen und/oder Nachdenken kaum nachkommen.

Angst ist schlechter Ratgeber

„Angst ist ein schlechter Ratgeber“ hat die Kanzlerin vor kurzem gesagt, obwohl Solga ihr davon dringend abgeraten habe, denn die Angst hat doch auch ihre Ursachen: Flüchtlingskrise, Griechenlandkrise, Eurokrise und das Geld auf der Bank wird nicht mehr verzinst, dagegen hilft nur noch „tebarzen“.

Offiziellen Statistiken glaubt Simone Solga überhaupt nicht mehr, nur ihre eigene Erhebung hat Bestand: „9 von 10 sind saublöde – und jeder denkt, er wäre der Zehnte!“

Ganz nah dran

Sie ist nah dran an ihrem Publikum, ganz besonders an jenen in Reihe eins: „Horst“ samt Begleiterin „Edith“ wird immer mal wieder „hart aber fair“ angesprochen, nur gut für ihn, dass sie in den seit Silvester- Köln so unsicheren Zeiten ihr Pfefferspray doch nicht eingesteckt hat. Das Spray und auch einen Elektroschocker hatte sie zuhause erstmal praktisch an ihrem Ehemann ausprobiert: „Man muss sich doch auch mal mit der Maximalwirkung vertraut machen… so emotional war der noch nie.“

Obwohl Simone Solga kaum noch Fernsehen schaut, entfacht sie mit einem dargestellten Zappen durch alle Kanäle einen wahren Begeisterungssturm: Talkshows, Tatort, Tagesschau, Shopping-Kanäle, Seitenbacher-Müsli, Frank Plasb…, Stadl- Zeit, Sex-Hotlines, Trigema-Schimpansen und Kochshows entstehen und entschwinden in Sekunden.

Ganz zum Ende offenbart sie noch „ihren Auftrag“: Die Regierung habe entschieden, Bad Hersfeld an den Persischen Golf umzusiedeln, die Scheichs seien ganz versessen darauf, einer kleinen hessischen Kommune beim Aussterben zuzuschauen.

Von Torsten Wiegand

Kommentare