Arbeitslosigkeit auf Rekordtief – Betriebe suchen Elektriker, Dreher und Berufskraftfahrer

Firmen fehlen Fachkräfte

Neue Qualität: Auf der Suche nach Fachkräften setzt RMW auf Plakate im Straßenbild. Foto: clm

Hersfeld-Rotenburg. Die Arbeitslosigkeit im Landkreis ist auf den niedrigsten Stand in einem November seit 29 Jahren gesunken. Die Arbeitslosenquote liegt laut Agentur für Arbeit nun bei 4,7 Prozent. Dieses Rekordtief hat jedoch eine Kehrseite. Der Mangel an Fachkräften trifft die Firmen im Landkreis besonders hart.

„Insbesondere im Handwerk und in der Logistikbranche ist der Arbeitsmarkt in den Altersgruppen von 20 bis 55 Jahren nahezu leergefegt“, berichtet Matthias Oppel, Leiter der Arbeitsagentur in Bad Hersfeld. Manche Betriebe gehen auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern daher bereits ungewöhnliche Wege.

Die Rotenburger Metallwerke (RMW) werben seit drei Wochen großflächig an Werkstor und Zaun mit großen Plakaten. „Wir stellen ein“ ist darauf zu lesen.

„Ehemalige Beschäftigte, die während der Krise gehen mussten, haben andernorts Arbeit gefunden und stehen uns leider nicht mehr zur Verfügung“, berichtet Melanie Mell, Personalreferentin bei RMW. Auch die Suche über Arbeitsamt sowie eine interne Leiharbeitsfirma hätten bislang keinen Erfolg gebracht, sagt sie.

Deshalb habe sich die Geschäftsleitung zu diesem außergewöhnlichen Schritt entschlossen. „Wir haben aufgrund der Plakate bereits einige Reaktionen und Bewerbungen bekommen“, sagt Mell.

Wie RMW gehe es vielen Firmen im Kreis, weiß Arbeitsagenturleiter Oppel. „Es mangelt an gut ausgebildeten Elektrikern, Drehern oder Fräsern aber auch an Berufskraftfahrern“, berichtet er. In diesen beiden Branchen gebe es ein strukturelles Problem, denn es fehlten nicht nur aktuell Arbeitskräfte, sondern auch Nachwuchs durch neue Auszubildende.

Schlechteren Chancen bieten

Um die Situation zu verbessern sei es wichtig, dass sich die Betriebe weiter öffnen und auch älteren sowie schlechter qualifizierten Bewerbern Chancen bieten, schlägt Oppel vor. So seien die Chancen, einen Ausbildungsplatz mit der Aussicht auf eine anschließende Weiterbeschäftigung zu bekommen, zurzeit besonders groß: „Eltern sollten angesichts der momentanen Situation gemeinsam mit ihren Kindern prüfen, ob es wirklich sinnvoll ist, dem bisherigen Trend zum Besuch einer weiterführenden Schule zu folgen“, sagt Oppel. ZUM TAGE, SEITE 2

Von Peter Gottbehüt

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