Helgo Hahn führte mit dem Chorverein Händels „Messiah“-Oratorium zum Erfolg

Der Fingerzeig zum Amen

Gut aufeinander eingespielt: Dirigent Helgo Hahn und Sängerin Elbeth Reuter.

Bad Hersfeld. Tatsächlich, es weihnachtet sehr. Dabei gewährt Georg Friedrich Händel in seinem berühmten „Messiah“-Oratorium HWV 56 dem Geschehen an der Krippe nur schmalen Raum. Sein Thema ist die umfassende heilsgeschichtliche Wirkung des Messias. Die Musiker und sogar wir, die Hörer, sind seine Ansprechpartner, werden ideell zu handelnden Personen. Vielleicht zielte dahin das Etikett, das der Librettist Charles Jennens für den „Messiah“ fand: „Grand Musical Entertainment“ – freilich auf biblischer Grundlage.

Wir sagen „Messiah“, weil Helgo Hahn, der Leiter des Chorvereins Bad Hersfeld, in dessen Herbstkonzert am 3. Adventssonntag in der vollbesetzten Stadtkirche sich für die englische Originalsprache entschied. Das ist zu loben, denn so teilt sich viel mit von der gewaltigen Tradition des Werkes, von seiner welt- und medienweiten Rezeption. Hatte nicht auch diese Aufführung mehr musikalische Stimmigkeit, eine reinere und weichere Aura als im harten, konsonantenreichen deutschen Idiom?

Der Chor jedenfalls mit seinen nahezu 70 Sängern agierte locker, stimmlich integriert und klanglich homogen, mit Zug nach vorn, ohne die raschen Passagen überzustrapazieren. Manche Affektgestaltung lässt sich noch entschiedener denken, ein, zwei Übergänge („Since by man came death“) gefestigter. Souverän die Beherrschung des (als Zugabe wiederholten) „Hallelujah“-Chorus, auch dank des technisch und tonlich exzellenten Solotrompeters Wolfgang Huhn.

Diskreter Charme

Die bewährten Frankfurter Sinfoniker ließen sich am Beginn zu extremer Breite verleiten, hielten dann aber auf Tempo, Genauigkeit, Durchhörbarkeit und einen diskreten Charme in der Begleitung der Arien. Hier – und vor allem bei den beiden Vokalsolistinnen – lag das geheime Zentrum der Wiedergabe. Elsbeth Reuter (Sopran) und Kaja Plessing (Alt) fügten etlichen gelungenen Hersfelder Auftritten einen noch besseren hinzu. Offen, einladend, gewandt, delikat in Farbgebung und Verzierung, das sind Vortragscharkteristika der Sopranistin.

Die Altistin zeigt sich eher als reflektierende, affektsichere, als wissende Sängerin, die ihre stimmliche Feinempfindung für Händel besonders einprägsam in der Passions-Arie „He was despised“ entfaltet. Schade, dass Händel beiden ein echtes Duett versagt.

Auch Tenor und Bass können auftrumpfen. André Khamasmie mit kräftiger Höhe und klarer Diktion, Rolf A. Scheider mit mächtiger Durchschlagskraft und der seinen beiden großen Arien gemäßen „orgelnden“ Geläufigkeit.

Vertraut mit dem Werk

Helgo Hahn, der in diesen zwei Stunden nach den üblichen Kürzungen verfuhr (insgesamt etwa ein Fünftel), bewies Vertrautheit mit Werk und Mitwirkenden. Seine unermüdliche motorische Energie ließ an den langen Fingerzeig zur Erlösung des Menschen denken, der in den „Hallelujah-“ und „Amen“-Chören gipfelt – und hier in euphorischen Beifall mündete.

Von Siegfried Weyh

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