Geschichtsverein präsentierte den fünften Band der „Hersfelder Geschichtsblätter“

So fing es an vor 1275 Jahren

Frisch aus der Presse: Ingrid Waldeck, Vorsitzende des Hersfelder Geschichtsvereins, präsentiert das Produkt der Buchredakteure Hans-Otto Kurz (links) und Dr. Michael Fleck. Foto: Apel

Bad Hersfeld. Rechtzeitig zum Stadtjubiläum hat der Hersfelder Geschichtsverein eine weitere Ausgabe seiner „Geschichtsblätter“ vorgestellt. Sechs Beiträge beschäftigen sich mit Personen, Firmen und Begebenheiten der Kreisstadt.

An der Spitze stehen Dr. Michael Flecks „Überlegungen zur 1275-Jahrfeier“, mit denen der Altphilologe darlegt, was gefeiert wird: Nicht die urkundliche Ersterwähnung Hersfelds vor 1275 Jahren, schon gar nicht die später erfolgte Gründung durch Lullus, sondern die aufgrund historisch-textkritischer Analyse errechnete 1275. Wiederkehr des Jahres, in dem der Bonifatiusschüler Sturm zusammen mit zwei Gefährten an der Stelle, wo später Lul das Kloster Hersfeld gründete, eine Einsiedelei errichtete. Ausgehend von Eigils Sturm-Vita beleuchtet Fleck, wie der Campus, der einem Herolf gehörte, ausgesehen haben könnte.

Schilde-Park

Angesichts der näher rückenden Eröffnung des Schilde-Parks dürfte Otto Abbes’ bebilderte Ausarbeitung „Der Hersfelder Maschinenbau und die Familien Gottlieb, Schilde und Sexauer“ auf Interesse stoßen. Abbes zeichnet ein Bild der Menschen nach, deren Unternehmungsgeist der Aufbau bedeutender Maschinenbau-Unternehmen zu verdanken ist.

Am 1. August jährt sich zum 100. Mal der Todestag Konrad Dudens. Zu den zahlreichen Ehrungen, die der Gymnasialdirektor erfuhr, zählt die Errichtung eines Brunnens in Form einer steinernen Erdkugel. Beate Elisabeth Schwarz’ Aufsatz „Ebert-Denkmal und Duden-Brunnen“ befasst sich in mit den Hintergründen. Nur wenigen Menschen dürfte bekannt sein, dass der Brunnen aus einem großen Quaderstein des in nationalsozialistischer Zeit als „höchst überflüssig“ angesehenen Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Denkmals geschaffen wurde. Ein weiterer Beitrag der Autorin beschäftigt sich mit Bad Hersfelds fünfter Jahreszeit: „Bruder Lolls! – Geschichte und Geschichten von einem alten Marktfest“. Gut lesbar vollzieht sie nach, wie sich der Gallusmarkt, der 1326 erstmals als Lullusmarkt bezeichnet wurde, zum beliebtesten Vergnügungsmarkt entwickelte und 1926 in seiner heutigen Form etabliert wurde.

Gerda Conradi befasst sich mit dem Hersfelder Stadtschreiber Louis Demme, der als Begründer des Stadtarchivs gilt. Hans-Otto Kurz blickt zurück auf die Anfänge der Fuldaschifffahrt und die um 1592 bis 1597 entstandene nachweislich älteste Hersfeld-Ansicht von Joist Moers.

Über die Kreisstadt hinaus enthalten die „Geschichtsblätter“ Informationen über den aus Niederaula stammenden Architekten Konrad Wahn, Erinnerungen eines ehemaligen Hersfelders an seine Erlebnisse auf dem bei Gittersdorf gelegenen Hof Hählgans vor und nach dem 2. Weltkrieg sowie einen Aufsatz der Schenklengsfelderin Liesel Honikel über den für den alten Amtsort am Landecker „wiederentdeckten“ heiligen Mauritius und das Mauritius-Relief am „Gasthaus zur Linde“ und an der Kirche.

Von Wilfried Apel

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