Das Fierche darf brennen

Riesenrad-Interview mit Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar

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Premiere im Riesenrad: Für Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar war die Interview-Fahrt die erste mit dem Wahrzeichen des Lullusfestes.

Bad Hersfeld. Im Lolls-Interview sprach Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar über ihre Uniform als Statement, über den begeisterten Nachwuchs der Feuerwehr und über das Lollsfeuer - sie lässt es brennen.

Höhenangst kennt Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar nicht, schließlich erklomm sie im Rahmen Ihrer Ausbildung zum gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst regelmäßig die 30 Meter hohe Drehleiter. Doch das Lolls-Interview mit unserer Zeitung war ihre allererste Fahrt mit dem Riesenrad. Beim Blick von oben entdeckte sie sogar den Balkon ihrer Stadtwohnung.

Frau Dittmar, überkommt sie in dieser Woche beim Gang zum Markt nicht ein unwiderstehlicher Drang, das Lollsfeuer zu löschen? 

Tanja Dittmar (lacht): Nein. Es ist ja ein sogenanntes Brauchtumsfeuer. Das Feuer des ältesten Volksfestes in Deutschland würde ich also nicht löschen wollen, nein.

Aber mal im Ernst, können Sie ein Fest wie Lolls unbeteiligt besuchen oder macht man sich unwillkürlich fachliche Gedanken? 

Dittmar: Natürlich tut man das, insbesondere nach den Geschehnissen der letzten Jahre. Stichwort Love Parade, da war ich dabei. Natürlich guckt man sofort, ob die Rettungswege gekennzeichnet sind, kommt da jeder durch und wo würden wir die Drehleiter aufstellen? Diese Gedanken hat man immer.

Feuerwehr lebt bei uns im Kreis vom Ehrenamt. Funktioniert das noch wie gewünscht oder wird es zunehmend schwieriger? 

Dittmar: Es wird natürlich nicht leichter. Aber wir müssen die Herausforderung annehmen. Zum flächendeckenden ehrenamtlichen Brandschutz gibt es keine Alternative, das ist in diesem Kostenrahmen und mit dieser Effektivität überhaupt nicht anders zu leisten. Wir freuen uns über jeden, der uns unterstützt und mitarbeitet und über jede gute Idee, neue Mitglieder zu gewinnen. Ein erster guter Schritt war beispielsweise das Zeltlager der Kreisjugendfeuerwehren. Da hat uns der Landrat die Ehre gegeben und dadurch auch gezeigt, wie wichtig ihm das Ehrenamt ist.

Stichwort Jugend. Wie kann man junge Menschen angesichts vieler konkurrierender Angebote noch für die Feuerwehr motivieren? 

Dittmar: Die Feuerwehr stellt sich darauf ein und geht auf die Jugendlichen zu. Das beginnt schon bei der Ausbildung der Jugendfeuerwehrwarte. Und es hat sich herausgestellt, wenn die Jugendlichen erst einmal mitmachen, ist die Begeisterung schnell genauso groß wie zu meiner Zeit. Aber keine Frage, wir müssen uns mehr anstrengen und auf das spannende Angebot der Jugend- und Kinderfeuerwehren aufmerksam machen.

Gibt es bei uns dafür gute Beispiele? 

Zur Person

Tanja Dittmar (43) stammt aus Homberg/Efze. Seit gut zwei Jahren ist sie Kreisbrandinspektorin im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und zuständig für rund 150 Ortsteilfeuerwehren in 20 Kommunen. Obwohl sie von manchen „Chefin“ gerufen wird, ist ihre Funktion nicht die einer Vorgesetzten – das sind die jeweiligen Bürgermeister –, sondern die der Brandschutzaufsicht. Neben dem Beruf engagiert sie sich im Netzwerk der Feuerwehrfrauen, wandert und kocht gerne und kümmert sich um ihre Patenkinder. Tanja Dittmar ist liiert. (ks)

Dittmar: Viele Feuerwehren machen es genau richtig. Die Feuerwehr Niederaula ist erst vor Kurzem für ihre zukunftsorientierte Arbeit mit der Kinderfeuerwehr, den Lösch-Eulen, und der Jugendfeuerwehr mit dem Titel „Feuerwehr des Monats“ ausgezeichnet worden. Auch hier in Bad Hersfeld haben wir ganz aktive Jugend- und Kinderarbeit. Wenn ich eingeladen bin, sage ich auch immer als erstes, dass die wichtigste Abteilung der Feuerwehr die „Abteilung Zukunft“, also die Kinder- und Jugendfeuerwehr ist.

Sie sind zum Interview in Uniform gekommen, ist das ein Statement? 

Dittmar: Ja. Ich trage die Uniform, um zu zeigen, was schlimmstenfalls passiert, wenn man in die Kinder- und Jugendfeuerwehr eintritt (lacht). Es ist auch ein Statement, um zu zeigen, dass auch Frauen bei der Feuerwehr Karriere machen können. Und dass man dieses spannende Ehrenamt sogar zum Beruf machen kann.

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