Bad Hersfelder Festspiele 2011: Ensemble glänzt zum dritten Mal in der West Side Story

Feuer auf der Bühne

Beweist erneut seine Vielseitigkeit: Der zweiteilige, bewegliche Drahtkäfig für die West Side Story. Unser Bild zeigt eine Szene mit Robin Poell (als A-Rab, Mitte oben), Philippe Ducloux (als Riff, Mitte unten) und weitere Ensemblemitglieder als Jets. Foto: Iko Freese/drama-berlin.de

Bad Hersfeld. Das Sahnehäubchen, das die Torte perfekt macht, ging in die letzte Runde. Die Wiederaufnahme der von Matthias Davids inszenierten West Side Story ist auch im dritten Jahr wieder ein Erlebnis. Die Musik von Leonard Bernstein, gespielt unter der Leitung von Christoph Wohlleben, umrahmt die anrührende Liebesgeschichte: Shakespeares Romeo und Julia im New York der 50er Jahre im Umfeld eines Bandenkriegs

Von der ersten Sekunde an springt der Funke auf das Publikum über. Hauptdarsteller und die Ensemble sind präsent, als hätten sie die Stiftsruine nie verlassen. Schwungvoll und leidenschaftlich erzählen, singen, tanzen und spielen sie, verausgaben sich völlig, atmen schwer.

Keine Müdigkeit hat sich über die Jahre eingeschliffen, keine gelangweilte Routine ist zu sehen, sondern ein Ensemble, das Feuer auf die Bühne bringt und alles gibt.

Und so erlebten die Zuschauer auch im dritten Jahr eine brilliante Maaike Schuurmans in der Rolle der Anita, der Freundin Bernardos. Sie verkörpert die Rolle, als sei sie ihr auf den Leib geschrieben.

Christian Alexander Müller glänzt ebenfalls stimmgewaltig, einfühlsam, ein wenig gereift und dadurch noch überzeugender als Tony. Applaus bekommt er vor allem für seine anrührenden Gesangssoli. Katharina Schrade als Maria absolviert eine exzellente schauspielerische Leistung. Ihre Trauer, ihr Hass und ihre Wut sind in der ganzen Ruine spürbar, brennen gleichsam direkt in die Herzen des atemlos lauschenden Publikums.

Starke Ensembleleistung

Das Liebesdrama lebt allerdings nicht nur von den Hauptdarstellern, sondern auch von der starken musikalischen und tänzerischen Leistung des gesamten Ensembles. Rasch gehen Musik und Tanzeinlagen ineinander über. Lateinamerikanische Rhythmen werden gepaart mit Jazz- und klassischen Elementen, die Tanznummern begeistern mit Präzision, Tempo und Akrobatik.

Bewährt hat sich das aus zwei schweren, halbrunden Stahlgittern bestehende Bühnenbild, das seine Vielfalt erneut unter Beweis stellte, als Häuserschlucht, Fassade, Kampfarena oder Klettergerüst.

Die West Side Story ist ein musikalisches, tänzerisches und schauspielerisches Erlebnis der besonderen Art. Es lohnt sich. Die Story über Liebe, Rassenhass und Vorurteile ist aktuell wie nie. Sie wird noch bis zum 6. August jeweils um 21 Uhr in der Stiftsruine gezeigt. Für alle Termine gibt es noch Karten.

Von Lea-Marie Brandau und Christine Zacharias

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