Bad Hersfelder Festspiele: Heute haben „Die Drei Musketiere“ Premiere

Feucht-fröhliches Fechten

Der Schutzengel hat alle Hände voll zu tun: Centime (Sophie Lechtenbrink) muss ihrem Schützling D’Artagnan immer wieder in kniffligen Situationen beistehen und ihm sogar Nachhilfe in Liebesfragen geben. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. So einen Schutzengel hätte wohl jeder (Mann) gern. Bei D’ Artagnan allerdings ist himmlischer Beistand auch bitter nötig. Denn der heißblütige junge Mann aus der Gascogne schlägt sich, wann immer er kann. Damit befolgt er freilich nur einen guten Rat seines Vater, den dieser ihm mit auf den Weg nach Paris gegeben hat.

Furchtlosigkeit und die stete Bereitschaft zum Duell mit dem Degen sind nämlich die Einstellungsvoraussetzung bei den königlichen Musketieren. Wie gut nur, dass D’Artagnans Mutter den Schutzengel Centime an dessen Seite beordert hat.

Kesser Schutzengel

Und die kesse, junge Frau – gespielt von Volker Lechtenbrinks 19-jähriger Tochter Sophie – führt nicht nur ihren Schutzbefohlenen, sondern auch die Zuschauer mit sichere Hand durch das Stück.

Centime ist ein Kunstkniff, den sich Volker Lechtenbrink und seine Tochter Saskia Ehlers für ihre deutlich modernisierte und stark geraffte Fassung des Klassikers „Die Drei Musketiere“ von Alexandre Dumas aus dem Jahr haben einfallen lassen. Das Original erschien 1844 als Fortsetzungsroman in der französichen Zeitung Le Siècle – damals allerdings ohne Schutzengel.

Als eine Art Erzählerin rafft Centime in der Bühnenfassung die Handlung und sorgt so für noch mehr Tempo in dem ohnehin action-reichen Stück. Denn D’Artangnan und die drei Musketiere stürmen ungestüm von einem Duell zum nächsten und stellen dabei immer wieder ihr Motto unter Beweis: Einer für alle, alle für einen.

Dabei haben Athos, Porthos und Aramis (gespielt von Julian Weigend, Johnny Müller und Parbet Chugh) mit ihrem Lehrling D’Artagnan (Jonas Minthe) viel Spaß. Da wird gerauft, gesoffen, gesungen und geliebt, was das Zeug hält.

Nebenbei retten die Musketiere auch noch die Ehre der französischen Königin. Die hatte nämlich ihrem heimlichen Verehrer, dem englischen Herzog von Buckingham (Livio Cecini), zwölf Diamantnadeln zur Erinnerung gegeben. Doch die durchtriebene Lady de Winter (Birthe Gerken), die so eiskalt ist, wie ihr Name vermuten lässt, stiehlt zwei davon, um die Königin in Verlegenheit zu bringen. Ein Fall für die Musketiere, bevor der König das Fehlen des kostbaren Schmucks bemerkt.

Rasant und amüsant

Eiskalte Verführerin: Lady de Winter (Birthe Gerken) schmiedet mit Kardinal Richelieu (Nikolaus Kinsky) eine Intrige gegen die Königin. Foto: Iko Frese, drama-berlin

Die an sich schlichte Handlung des Mantel- und Degen-Klassikers, den jeder irgendwo schon mal gesehen hat, wird in der Stiftsruine ganz neu gemixt. Unterlegt mit italienischen Schnulzen, Popsongs sowie landestypischer Musik und „garniert“ mit vielen Zitaten aus berühmten Filmen entsteht ein rasanter und amüsanter Plot. „Wir erzählen ein Märchen“, sagt Volker Lechtenbrink über seine Inszenierung. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fechten sie auch heute!

Von Kai A. Struthoff

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