Festspielstar singt im Dezember in der Martinskirche

Helen Schneider spricht über ihr geliebtes Bad Hersfeld und ihre Pläne

Bad Hersfeld. Home, sweet Home! Nach Bad Hersfeld zu kommen, ist für Helen Schneider so ein bisschen wie nach Hause kommen.

„Die Stadt ist wunderbar, hier ist alles gut“, sagt die gebürtige New Yorkerin. Sie hat auch allen Grund zufrieden zu sein, denn für sie läuft’s richtig gut. Die Wiederaufnahme von „Cabaret“ mit Helen Schneider als Conférencier wird vom Festspiel-Publikum begeistert gefeiert.

„Wiederaufnahmen sind immer ein Vergnügen für mich, man kommt schnell wieder rein in das Stück und kann neue Nuancen finden.“ Dabei sei „Cabaret“ eigentlich kein Open-Air-Musiktheater, sondern eher geheimnisvoll, dunkel und intim angelegt. Doch dank des hervorragenden Bühnenbilds von Heike Meixner sei in der Inszenierung von Gil Mehmert „die Energie fokussiert.“

„Wir Schauspieler sind doch alle ein wenig wie Clowns, wir sind Unterhalter und spielen für das Publikum“

In ihre Rolle als Conférencier habe sie mehr instinktiv gefunden und sich mit Gil Mehmert für den „bizarren Mann-Frau-Clown entschieden. „Irgendwie sind wir Schauspieler doch alle ein wenig wie Clowns, wir sind Unterhalter und spielen für das Publikum“, resümiert Helen Schneider.

„Cabaret“ sei für sie zudem erschreckend aktuell, sagt die Schauspielerin, die immer noch US-Staatsbürgerin ist. Sie sieht Parallelen zwischen den Anfängen der Nazi-Zeit in Berlin im Stück und dem Aufstieg des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump. Aus ihrer Abneigung für den Polit-Demagogen macht Helen Schneider keinen Hehl. Natürlich werde sie deshalb im November ihre Stimme Hillary Clinton geben - obwohl auch sie stark polarisiere und ein Establishment repräsentiere, das Schneider für viele Verwerfungen in den Staaten verantwortlich macht.

In Bad Hersfeld wohnt Helen Schneider, wie schon seit vielen Jahren, in einer Wohnung nahe der Kurbad-Apotheke. „Die Vermieter und ich sind längst gute Freunde geworden“. Dort kann die Künstlerin Kraft schöpfen für den kommenden Herbst.

Mit Liedern ihrer neuen CD „Collective Memoriy“ wird sie dann, begleitet nur von ihrem Gitarristen Jo Ambros, wieder auf Tournee gehen. Dabei tritt sie am 28. Dezember auch in der Bad Hersfelder Martinskirche auf. Die Songs hat Helen Schneider übrigens alle selbst geschrieben. Sie sind sehr persönlich und werden von ihr live in improvisiert freier Rede auch mit eigenen Erlebnissen und Gedanken eingeführt. „Es ist Erwachsenen-Material, handelt vom Älter werden, von Verlusten und der Neuorientierung“. In den Liedern hat sie auch die Trauer nach dem Verlust ihres Ehemannes und Managers Georg Nasser verarbeitet, mit dem sie über 40 Jahre zusammengelebt hatte.

Inzwischen arbeitet das Universal-Talent bereits an einer Nachfolge-CD. Zudem bereitetet sie einen Liederabend mit den bei uns relativ unbekannten Songs des amerikanischen Komponisten Charles Ives vor. Außerdem sind auch schon weitere Theaterengagements geplant.

Ob es auch ein Wiedersehen in der Stiftsruine geben wird, weiß sie noch nicht. „Aber ich komme immer wieder gern nach Bad Hersfeld“, sagt Helen Schneider. Schließlich ist hier ihre zweite Heimat. Home, sweet Home.

Info: Der Ticketverkauf für das Konzert in der Martinskirche ist bereits angelaufen. Karten gibt es über die Kartenzentrale und die Hoehlsche Buchhandlung zum Preis von 33 Euro auf allen Plätzen.

Von Kai A. Struthoff und Markus Pfromm

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