Stadtverordnete verweigern Signal für die Finanzierung des Spielplans 2014

Festspiele auf der Kippe

Bad Hersfeld. Die politische Auseinandersetzung um die Zukunft der Bad Hersfelder Festspiele hat bei der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag Abend eine neue Eskalationsstufe erreicht: Die Parlamentarier verweigerten das von Bürgermeister Thomas Fehling geforderte Signal zur Finanzierung des Spielplans 2014. Das Theaterfestival in der Stiftsruine steht damit auf der Kippe.

Weil die Mehrheitsfraktion von SPD, Grünen und FWG mit Ausnahme des Kulturausschuss-Vorsitzenden Dr. Thomas Handke auf die kontroverse Debatte mit kollektiver Enthaltung reagierte, reichten zwei weitere Ja-Stimmen aus den Reihen der Fraktionsgemeinschaft nicht aus, die Vorlage des Magistrats passieren zu lassen.

Bei der Kunst gekürzt

In diesem Entwurf des Wirtschaftsplanes war der städtische Zuschuss um rund 440 000 Euro erhöht worden, um die in den vergangenen Jahren regelmäßig erforderliche Nachbewilligung zum Defizit-Ausgleich zu vermeiden (unsere Zeitung berichtete).

Bürgermeister Fehling hatte ursprünglich einen Festspiel-Etat aufgestellt, in dem er auf der Einnahmenseite die tatsächlich erzielten Zahlen der vergangenen Spielzeit ansetzte und die Ausgaben – insbesondere beim künstlerischen Personal – entsprechend kürzte.

Intendant Holk Freytag war mit seinem Spielplan für 2014 – neu inszeniert werden „Maria Stuart“, „Die Wanderhure“ und „Kiss me, Kate“ – jedoch vom bisherigen Etatvolumen ausgegangen, das bei knapp über fünf Millionen Euro liegt.

Weil im städtischen Gesamthaushalt für das nächste Jahr aktuell etwa 2,2 Millionen Euro zum Ausgleich fehlen, hatte Fehling die Festspiel-Finanzierung zum Thema gemacht, die das Haushaltsloch um besagte 440 000 Euro vergrößern würde.

Die Identität unserer Stadt

In der Diskussion der Stadtparlamentarier prallten zwei grundsätzlich verschiedene Sichtweisen aufeinander: Während die Mehrheitsfraktion in den Festspielen „die Identität unserer Stadt“ sah und die Ausrichtung des Festivals durch einen negativen Beschluss nicht gefährden wollte, argumentierte die Gegenseite damit, dass man „nicht über unsere Verhältnisse leben“ könne (Gunter Grimm, CDU) und dass andere Festspielstädte „uns vormachen, dass man einsparen kann“ (Michael Bock, NBL).

Hans-Jürgen Schülbe (Fraktionsgemeinschaft) gab dagegen offen zu, nicht zu wissen, welches Geld für die Festspiel angemessen ist. Er schlug vor, ein Gutachten von externen Experten einholen zu lassen.

Die stereotypen Redebeiträge der Kritiker, die allesamt zunächst ein Bekenntnis zu den Festspielen ablegten, um dann den vorgelegten Wirtschaftsplan abzulehnen, nahm die Mehrheitsfraktion schließlich zum Anlass, die Gegenseite durch Enthaltung in Zugzwang zu bringen. 

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