Die Festspiele hinterfragen - Interview mit Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling nach den ersten 100 Tagen

Bad Hersfeld. Seit genau 100 Tagen ist Thomas Fehling (FDP) Bürgermeister von Bad Hersfeld – und musste vom ersten Moment an voll einsteigen. Das Winter-Hochwasser, der Zwist um die Geschäftsführer-Tätigkeiten seines Vorgängers Hartmut H. Boehmer, Schildepark und Vitalisklinik ließen dem neuen Rathauschef kaum eine Atempause.

HZ-Redakteur Karl Schönholtz zog mit dem 43-Jährigen eine erste Bilanz.

Herr Fehling, was steht bei Ihnen nach den ersten 100 Tagen als Bürgermeister unter dem Strich?
Thomas Fehling: Ich glaube, der Start ist geglückt. Sowohl von der sachlichen Seite her wie auch im Zusammenspiel mit den Gremien, den Mitarbeitern und der Bevölkerung. Mein Eindruck ist, dass das sehr gut funktioniert hat.

Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger, der auf jede Frage gleich eine griffige Antwort parat hatte, bitten Sie sich mitunter Bedenkzeit aus. Ist das Ihr persönlicher Stil oder Unsicherheit?
Fehling: Ich handhabe es so, dass ich erst einmal darüber nachdenke, ein Thema von möglichst vielen Seiten beleuchte, um mir eine Meinung zu bilden und um zu verstehen, wo der Kern des Problems ist. Dann gilt es, eine Lösung zu finden und eine Entscheidung zu treffen. Das kann etwas Zeit in Anspruch nehmen. Nachdenken muss da keine schlechte Strategie sein.

Sie haben jüngst einen Kassensturz vollzogen. Wie gut oder schlecht ist die finanzielle Situation der Stadt?
Fehling: Das muss man zweigeteilt sehen. Die Stadt hat hohe Verbindlichkeiten, die müssen irgendwann abgetragen werden. Auf der anderen Seite wurde mit diesem Geld viel Positives bewegt. Hersfeld ist wunderschön geworden in den letzten Jahren. Daran gilt es anzuknüpfen. Doch das muss in der Balance bleiben. Hersfeld steht gut da, aber wir können nicht unendlich weiter Schulden aufbauen.

Zu den finanziellen Belastungen der Stadt gehört auch die Vitalisklinik. Wie soll es dort weitergehen?
Fehling: Ich bleibe dabei, zur Vitalisklinik gebe ich keine Stellungnahme ab. Da müssen sich erst die jetzt neu gewählten politischen Gremien eine Meinung bilden.

Bei den Kommunalwahlen ist die vom bürgerlichen Lager angestrebte Mehrheit für den Bürgermeister nicht zustande gekommen. Wie schwer wird es jetzt für Sie?
Fehling: Die Gespräche unter den Parteien laufen, und man darf gespannt sein, was da am Ende heraus kommt. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass sich gute Themen und Inhalte durchsetzen werden und dass es dafür auch Mehrheiten gibt. Nachdem das anfängliche Rauschen vom Jahresbeginn jetzt so ein bisschen verstummt ist, hat man sich gefunden und arbeitet in den Gremien gut zusammen – wenngleich wir in manchen Punkten noch um die beste Lösung ringen müssen.

Haben Sie Ihre Bürgermeister-Kollegen von Rotenburg und Bebra schon kennen gelernt? Wenn ja, gibt es Projekte, an denen die Städte im Kreis gemeinsam arbeiten können?
Fehling: Wir haben uns auch schon vorher gekannt. Ich bin Willens zur Zusammenarbeit, doch es muss auch Sinn machen. Wir haben bereits ein konkretes Projekt auf der Tagesordnung. Aber dazu möchte ich noch nichts sagen, das ist noch in der internen Abstimmung.

Sie kokettieren damit, von Kultur keine Ahnung zu haben. Wir haben zudem gehört, Sie hätten für den Fall weiterer Defizite die Festspiele zur Disposition gestellt. Verträgt sich das mit dem Bürgermeister-Job in einer Festspielstadt?
Fehling: Das Vokabular ist mir zu extrem. Ich stehe zu den Festspielen, und wir werden sie auch fortführen. Aber wir müssen hinterfragen, wie wir die Festspiele zum Erfolg führen wollen. Wir sind dieses Jahr besser unterwegs als 2010, aber wir sind noch nicht dort, wo ich die Festspiele sehe, nämlich als Aushängeschild für die Stadt Bad Hersfeld. Wir müssen auch für 2011 noch deutlich mehr Gas geben.

Was meinen Sie konkret?
Fehling: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir beim Vertrieb mehr machen könnten. Das hat beispielsweise etwas damit zu tun, dass man Tourismuspakete schnürt. Ich denke auch an eine Prozesskette Festspielbesuch, also eine Reihe von Einzelschritten, die exzellent sein müssen, wenn ich ein exzellentes Produkt verkaufen möchte. Ich glaube, da sind wir an vielen Stellen noch zu nachlässig.

Sehen Sie auch im künstlerischen Bereich Handlungsbedarf?
Fehling: Ich habe mit dem Intendanten eine klare Verabredung. Er ist für den künstlerischen Inhalt zuständig. Da werde ich ihm nicht reinreden. Wo ich mich aber einmischen werde, das sind die Organisation und der Vertrieb. Da nehme ich für mich auch eine gewissen Kompetenz in Anspruch.

Was ist stressiger, Ihr früherer Job als Wirtschaftsinformatiker oder die Arbeit im Rathaus?
Fehling: Schwer zu beantworten. Die Breite der Aufgaben hier ist immens, aber Vieles ist sehr ähnlich, auch die Stresssituationen.

Gibt es den Privatmann Thomas Fehling noch?
Fehling: Leider zu wenig. Doch die Anfangshektik ist vorüber, so dass ich hoffe, es gibt jetzt ein paar Minuten mehr zum Verschnaufen. Allerdings: Jeder Handgriff wird beobachtet, jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Da muss ich dazulernen, dass jetzt alles auf einer Bühne stattfindet.

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