Festspiel-Spagat und Satire

Karl Schönholtz

10 000 weniger Zuschauer als im Jahr zuvor und ein Defizit von 175 000 Euro, obwohl der Etat um 600 000 Euro aufgestockt worden war – das sind zwei nicht so schöne Wahrheiten, die Dieter Wedel in seinem ersten Jahr als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zu verantworten hat.

Doch die Reaktionen auf die lange angemahnte und jetzt endlich vorgelegte Bilanz zeigen, dass es bei der Abrechnung mit Wedels Hersfeld-Debüt nicht nur um die Zahlen geht. Da wird die zweifellos deutlich erhöhte Medien-Aufmerksamkeit für die Festspiele genauso ins Feld geführt wie die steigende Bereitschaft von Förderern und Sponsoren, sich für das Theater in der Stiftsruine zu engagieren. Auch mit der positiveren Perspektive für das Festival wird argumentiert.

Und es werden natürlich politische Süppchen gekocht. Bemerkenswert ist dabei die ausführliche Stellungnahme der SPD, die in bewundernswertem Spagat versucht, einerseits den Intendanten nicht zu beschädigen und andererseits dem Bürgermeister kräftig vors Schienbein tritt. Alles genauso durchsichtig wie die eine oder andere Meinungsbekundung, die Befindlichkeiten ins Feld führt.

Es wird also wieder spannend in Bad Hersfeld, wenn im November und Dezember über den Haushalt 2016 und damit auch über die finanzielle Ausstattung der Festspiele diskutiert wird. Und einmal mehr wird sich dabei die Frage stellen, wohin die Stadt mit ihren Festspielen will. Denn eins ist klar: Soll der von Dieter Wedel und seinem Team eingeschlagene Weg weiter beschritten werden, wird das unter dem Strich nicht billiger.

Dass es gleich so dramatisch kommt, wie in unserer „Geheimakte Festspiele“ beschrieben ist, ist glücklicherweise nicht zu befürchten: Die Beiträge in unserem traditionellen „Lolls-Journal“, das Sie in der heutigen Ausgabe finden, sind reine Satire und haben mit der Realität (fast) nichts zu tun. Trotzdem: Viel Vergnügen!

Apropos Lolls: Eigentlich sollte die Stadtpolitik in der kommenden Woche Ruhe geben, es herrscht Lollsfrieden. Es wird gemeinsam gefeiert anstatt sich gegenseitig zu befeuern, so jedenfalls der hehre Gedanke. Mal hören, wie Bürgermeister Thomas Fehling vorlegt, wenn er am Montag seine Lollsrede hält ...

Davor ist freilich erst einmal der Lollslauf angesagt. Auch die HZ ist mit einem gemischten Team und einigen Einzelläufern über die Zehn-Kilometer-Strecke am Start. Das ist an sich nichts Besonderes, aber in diesem Jahr vielleicht doch: Zum einen haben wir für den Endspurt beim Lauf eine Überraschung parat, und zum anderen haben sich bei uns mehrere Kolleginnen extra für diesen Wettbewerb Training und Fitness verordnet – ganz im Sinne des olympischen Gedankens „Dabei sein ist alles“.

Wir sehen uns also: beim Lauf, beim Festzug und sowieso zu Lolls, weil man da auch alle die trifft, denen man sonst lange nicht begegnet ist.

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