Festspiel-Klatsch, Personalien und ein Neubau

Kai A. Struthoff

Die Premieren der vier großen Festspiel-Stücke sind gelaufen. Wir haben unterhaltsames, wenngleich auch sehr unterschiedliches Theater und großartige Schauspieler in allen Stücken gesehen. Das Medienecho ist so groß wie nie und dabei auch überwiegend positiv. Uns Journalisten wird heute Nachmittag bei der Sitzung der Hersfeld-Preis-Jury vermutlich der Kopf rauchen, wenn es darum geht, die Besten der Besten zu bestimmen.

Wie sensibel die Stimmung aber immer noch ist, zeigt eine Begebenheit vom Premierenabend des „Zerbrochnen Krugs“ von Holk Freytag. Weil der Bürgermeister kurz nach Schluss eilig die Ruine verließ, witterten manche einen Skandal, sprachen von einem Affront. Ich habe Thomas Fehling einfach mal direkt gefragt, was denn los war. Die Erklärung ist ganz menschlich: Weil er, wie viele andere, auf die angekündigte Pause gesetzt hatte, die es aber dann doch nicht gab, musste er ganz dringend mal raus.

Auch sonst wird hinter den Kulissen natürlich viel geredet. Ich sprach kürzlich mit einem im positiven Sinne „Festspiel-Besessenen“. Er kann sich mit den Neuerung unter Dieter Wedel so gar nicht anfreunden. Die neue Tribüne gleiche einem Eishockeystadion, die Beleuchtung im Park sei viel zu bunt, und die Unterbrechung der Stücke schade dem Spielfluss. „Im Gottesdienst gibt es doch auch keine Pause“, sagte er. Das stimmt natürlich, dennoch bin ich sicher, dass viele Besucher die Unterbrechung zu schätzen wissen – nicht nur unser Bürgermeister.

Viel geredet wird auch hinter den Kulissen des Kreistags. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz. Auf der Tagesordnung der nächsten Kreistagssitzung fehlt jedenfalls der Antrag auf Wiederwahl, der eigentlich von der SPD gestellt werden müsste. Angeblich soll aber die Wiederwahl bis nach der Kommunalwahl am 6. März 2016 aufgeschoben werden. Dann könnten sich die Machtverhältnisse auch im Kreistag verschieben.

Wir hören, dass es bereits Gespräche zwischen CDU und Grünen über den Posten des Ersten Kreisbeigeordneten gibt, und die SPD tut bislang jedenfalls nichts, um das zu verhindern. Bitter wäre das für Elke Künholz, die nach ihrer Landrats-Wahlniederlage offenbar wie eine heiße Kartoffel fallengelassen werden soll. Wie war das mit der Solidarität?

Eine interessante Personalie gibt es auch in der Hersfelder SPD. Dort hat der 37-jährige Karsten Vollmar den Vorsitz des Stadtverbands übernommen. Ob sich der gut vernetzte Lehrer und – hier ja ganz wichtig! – waschechte „Herschfeller Jung“ damit wohl schon als SPD-Bürgermeisterkandidat warmläuft?

Dass die Menschen, die vor 30, 40 Jahren auf dem Johannesberg ihr Häuschen gebaut haben, heute zu den älteren Einwohnern von Bad Hersfeld gehören, ist keine Überraschung. Und auch nicht, dass mit dem Alter der Bedarf an ärztlicher Versorgung steigt. Dieser Umstand könnte hinter einem Bauprojekt stecken, das in den nächsten Tagen in den städtischen Gremien auf der Tagesordnung steht. Vordergründig geht es um den Verkauf eines 2500 Quadratmeter großen Grundstücks an der Ecke Douglasienweg/Sanddornweg.

Dahinter steckt nach Informationen unserer Zeitung ein Investor, der im Auftrag eines einheimischen Arztes ein medizinisches Versorgungszentrum plant. Für den größten Hersfelder Stadtteil wäre dies eine infrastrukturelle Aufwertung sondergleichen – und würde vielleicht manchen Johannesberg-Senior veranlassen, den Umzug in ein Altersheim in der Stadt noch etwas aufzuschieben.

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